Auff den nahmens-tag Hn. Nicolaus Will- mann Churfürstl. Brandenburgischen amts-...
Die kluge welt hat noch biß heute nicht ergründt
Was Martyr dennoch will vor eine warheit schreiben;
Ob in Longuca sich ein wunder-brunn befindt
Der alte leiber kan in junge formen treiben:
Diß aber ist gewiß: daß GOttes stille krafft
Verlebten dingen offt das meiste leben schafft.
Wie spielt nicht die natur an dem gestirnten bogen?
Des monden silber fällt und nimmet wieder zu:
Die wolcken werden ab- und wieder auffgezogen:
Die sonnen-kugel sucht in der bewegung ruh
Und da wir alle gleich von ihrer flamme zehren
Sieht man sie täglich doch ein neues feur gebähren:
Diß thut der himmel nur; was nicht die unter-welt?
Die uns mehr wunder läßt als jener sterne schauen.
Denn wenn die graue zeit den marmel fast verstellt
Muß witz und kunst daraus erst grosse tempel bauen
Und die erfahrung giebt: daß barben und der wein
Jm alter köstlicher als in der jugend seyn.
Ein crocodil der wächst so lang er sich beweget:
Die ströme mehren sich durch ihren weiten lauff.
Je mehr ein feigen-baum auf erden früchte träget
Je mehr setzt die natur ihm wieder knospen auf.
Ein adler kan ihm selbst die jugend wieder bringen
Ein todter phönix sich aus staub und asche schwingen.
Der arme mensch allein bricht wie der porcellan
Und steckt voll ungemach wie dünste voller regen.
Er weint so bald er nur die augen auffgethan
Mit thränen muß er sich auch wieder niederlegen
Und iedem kinde zeigt sein schreyend A und E
Daß man mit Armuth auf mit Elend untergeh.
Drum reißt die ungedult zuweilen aus den schrancken
Und flößt den sterblichen die falsche lehren ein:
Die götter wären nichts als schatten und gedancken;
Sonst müste ja der mensch mehr wie die thiere seyn.
Denn diese schlieffen offt auf rosen und jaßminen
Wenn jenem tod und blitz an statt der sonne schienen.
So denckt die blinde welt: doch sonder alles recht.
Denn fleisch und blut sind nicht die nahrung unsrer seelen.
Je mehr der matte leib sich an begierden schwächt
Je weiter rückt der geist aus seinen mörder-hölen;
Weil wenn die rosen uns am munde niedergehn
Die seelen insgemein erst in der blüte stehn.
Und also wächst der mensch an weißheit und verstande
So wie die thiere nur an gliedern und gestalt.
Die geile jugend fliegt wie mutten nach dem brande
Die männer werden schon in sünden wieder kalt;
Ein alter aber kan am ende beyden zeigen:
Wie weit ein Jcarus soll in die wolcken steigen.
Sein silber-weisses haupt ist lauter redligkeit
Und öffnet doch zugleich ein zimmer voller kohlen
Aus dem die armen trost in der bedrängten zeit
Die fürsten rath und licht gelehrte flammen holen.
Drum hat uns Syrach schon wie Sparta dargethan:
Daß man das alter nicht genug verehren kan.
Erlaube demnach auch du crone grauer weisen
Daß mein gemüthe dir ein kleines opffer bringt.
Ich suche dir hiemit nicht deinen ruhm zu preisen
Den auff der strassen schon ein jedes kind besingt;
Nicht deine grosse treu die wie ein regen-bogen
Dem gantzen lande nichts als sonne zugezogen.
Dein geist ist viel zu groß vor feder und papier
Nachdem ihn die natur so offters umgegossen:
Doch der genaden-brunn den GOttes güte dir
Durch deinen nahmens-tag vom neuen aufgeschlossen
Hat wie der Musen-quell durch seine wunder-macht
Mein hertze statt der kunst in diese reimen bracht.
Jhr himmel schwängert euch mit segen und gedeyen
Und schließt diß theure haupt in frische rosen ein!
Schafft daß die lüffte gold die wolcken perlen. schneyen
Die speisen ambrosin die träncke nectar seyn
Und wenn euch Willmann wird um euren willen fragen
So laßt ihm allemal man will zurücke sagen.