Auff den Tod Hertzog George Wilhelms/ lezten Piastischen Fürstens zu Lignitz/ Br...
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Fliesst nasse Thränen fliesst auff Wangen und Papier
Das lezte Königs-Blutt Sarmatiens liegt hier:
Der Purpur der ihm war von Ahnen angeerbt
Hat seinen siechen Leib umkleidet und gefärbt.
Fliesst milde Thränen fliesst auff Wangen und Papier
Piastens lezter Zweig der Edle Fürst liegt hier
Der hohe Cedern-Baum versinckt mit ihm ins Grab
Der durch achthundert Jahr dem Lande Schatten gab.
Fliesst trübe Thränen fliesst auff Wangen und Papier
Des Großen Käysers Lust der kluge Fürst liegt hier.
Witz hub ihn vor der Zeit auff seinen Fürsten Thron:
Der Blitz des Todes führt ihn vor der Zeit darvon.
Fliesst dicke Thränen fliesst auff Wangen und Papier
Das Auge Schlesiens der theure Fürst liegt hier
Der trübe Himmel weint die Sonne birgt ihr Licht
Weil dir Erlauchtes Haubt die Lebens-Sonne bricht.
Fliesst heiße Thränen fliesst auff Wangen und Papier
Der treuen Länder Schutz der werthe Fürst liegt hier.
Der seinem Ur-Ahn solt an Jahren gleiche gehn
Lässt uns an Jahren jung betrübte Wäysen stehn.
Fliesst bittre Thränen fliesst auff Wangen und Papier:
Der Unterthanen Schatz der liebste Fürst liegt hier
Ihr Hertze neben ihm. Es decket eine Grofft
Was sie geliebt geehrt gewünschet und gehofft.
Fliesst bluttge Thränen fliesst auff Wangen und Papier
Der Tugend Ebenbild der fromme Fürst liegt hier:
Die Kirche Gottes weint der hohe Richtstuhl klagt
Das gantze Land erseuffzt erbebet ächzt und zagt.
Fliesst herbe Thränen fliesst auff Wangen und Papier
Der jungen Helden Preiß der tapffre Fürst liegt hier.
Doch hat der Tod nur dem was sterblich obgesiegt
Die Seele wird bey Gott mit Ehr und Ruh vergnügt.
Fliesst bange Thränen fliesst auff Wangen und Papier:
Der selge Fürst ruht wohl: Wo aber bleiben wir?
Herr nimm dich unser an erhalt uns durch dein' Hold
Die süsse Friedens-Ruh und unsern LEOPOLD.