Auff den tödtlichen abgang Ihr Fürstl. Gn. Her- tzog Jörg Rudolffs in Schlesien ...

By Martin Opitz

Owohl dem welcher noch weil seine Jugendt blüher

Vnd gantz bey Kräfften ist schon auff das Ende sihet

Das allen ist bestimmt vnd laufft mit Lust vnd Rhue

So bald jhm Gott nur winckt auff seine Stunde zue.

Er wirdt von Eytelkeit der dinge nicht verblendet

Die bloß im wahn bestehn; Hat allezeit gewendet

Sein Himmlisches Gemüth auff das so ewig wehrt

Verleßt was aussen ist ist in sich selbst gekehrt.

Je weiter er dann geht auß dieses Leibes Ketten

Je höher er auch kömpt kan vber alles tretten

Was Welt genennet wirdt sieht vnter sich die Klufft

Der schnöden Sterbligkeit: Wie wann der Printz der Lufft

Der Adler ohngefehr auß seinem Kefich reisset

Vnd vber alle Berg hin in die Wolcken schmeisset

Schwingt mit der Flügel krafft sich auff das blawe Dach

Deß schönen Himmels zu vnd eylt der Sonnen nach.

Ein solcher grosser Sinn wann er will in sich weichen

Vnd gantz sein selber sein vermag nicht zu verbleichen

Für keiner Sterbensangst: Er sieht den schwartzen Todt

Mit frischen Augen an legt allen Fall vnd Noth

Zu seinen Füssen hin wirdt niergendt eingeschlossen

Steigt vber sich zu Gott von dannen er entsprossen

Vnd lest die Erde stehn gleich wie das Fewer thut

Wann es zu Kräfften kömpt stößt von sich selbst die Glut

Biß an der Sternen sitz. Es ist mit allen dingen

Die wir diß wüste Rund sehn weit vnd breit vmbringen

Nur schlecht genung bestellt. Der eitelen begiehr

Der Furcht’ vnd Kranckheit Last beschwehrt vns für vnd für.

Die Freyheit hat der

Zu welcher schon allhier die hohen Seelen traben

Mit ernster embsigkeit verachten allen schein

Der fleischlichen Gewalt vnd wündschen loß zu sein.

Sie sehen wie wir nun gemach von Jahr zu Jahren

Sind sämptlich Jung vnd Alt einander nach gefahren:

Wie jmmer eine Flut die andere vertreibt

Vnd keine durch den Strom ohnfortgerissen bleibt.

Sie sehen das jetzundt von vielen schönen Stätten

Noch kaum der Name lebt; sie selbst sind eingetretten

Verheert vnd außgebrandt. Wie feste sie auch stundt

Die grosse Mutter Rom noch fiel sie auff den grundt.

Sie sehen daß wo sonst das Meer ward von den Winden

Bestritten vnd gejagt jetzt Graß sich pflegt zu sinden

Vnd schön Getreyde wächst; Vnd daß nunmehr ein Schieff

Herein geht wo man vor im grünen lag vnd schlieff.

Ein jedes ding verstäubt; Der Anfang zeucht das Ende.

Diß lehrt mich die Natur. Wann ich die Augen wende

Auff diesen Baw der Welt merck’ ich daß der gebrauch

Nur allenthalben ist. Die grossen Cörper auch

Die Elemente selbst die werden stäts gebohren

Vnd gehn stets wieder ein: Wirdt eines weg verlohren

So kompt ein anders auff. Ein jedes ist bedacht

Auff jenen grossen Todt wann nach der langen Nacht

Die man hier schlaffen muß diß Wohnhauß ab wirdt brennen

In dem wir armes Volck so lauffen thun vnd rennen

Nach dem was auch vergeht vnd wann der blinde schein

Der falschen Herrligkeit wirdt Staub vnd Asche sein.

Das wild’ vnd zame Vieh mag nicht dem Tod’ entspringen:

Die Vögel geben sich; man hört sie auch wol singen

Vnd gleichsam frölich sein: Wie sonderlich der Schwan

Sein süsses Grabelied jhm selber tichten kan.

Ein jeder Baum der muß sein Haar die Blätter legen

Ist todt biß sich der West im Lentzen pflegt zu regen:

Die Blumen fallen ab vnd werden durch die Krafft

Der Sonnen bald erzeugt bald wider hingerafft.

Das grosse Liecht der Welt fehrt mit den müden Pferden

Auch täglich von vns weg vnd lest es finster werden:

Der güldnen Sternen Schar so bald die Morgenröth

Auß jhrem Bethe kompt verblässet vnd zugeht.

In summa allem ist sein mahl vnd Ziel bestimmet.

Drumb handelt dieser wol der von der Erden klimmet

Vnd nimbt schon hier voran ein theil derselben Lust

Die keinem noch zur zeit von vns ist recht bewust:

Der seinen Sinn erhöht so viel diß schwache Leben

Vergönnen will vnd schawt die schönen Geister schweben

Vmb jhren Schöpffer her erkennt das wahre Liecht

Zu vns hieher gesandt daß nunmehr weiter nicht

Als wir zwar sterblich ist. So bald man seine Wunden

Im glauben recht ergreifft so bald wirdt auch gefunden

Die Artzney wider das das alle Furcht vnd noth

Sonst hier bey vns erregt; Da sucht man auch den Todt

Da wirdt ob schon das Hertz’ in lauter Flammen stehet

Vnd jetzt zubersten will ein Mensch so weit erhöhet

Als er gelangenmag wann Fried’ vnd Freuden voll

Deß Lebens müdes Schiff die Segel streichen soll.

Nicht anders hat auch euch jhr Perle der Heldinnen

Das Elendt dieser Welt geführet ewre Sinnen

Zu dem was weder Feind noch Sturm der Zeit zustört

Vnd euch hier gute Nacht zu geben recht gelehrt.

Auch so jhr wahres Bild vnd Spiegel aller Tugendt

Hat das Verhängniß euch noch eben in der Jugendt

Von hinnen weggerafft vnd euch dahin gesetzt

Da gantz in Ewigkeit kein Auge wirdt genetzt.

Da lebet jhr jetzundt bey vielen tapffern Helden

Vnd Frawen derer Lob die Bücher noch vermelden.

Wo ewer hoher Geist so offte hinbegehrt

Da seyt jhr endtlich nun mit Ehren eingekehrt.

Es ist die Frömmigkeit euch selbst entgegen kommen

So jetzt im Himmel wohnt vnd hat euch angenommen

Vnd frölich eingeführt: Die susse Frömmigkeit

An derer stelle wir jetzt hegen Haß vnd Neidt

Der keinen selig macht. Ihr Kleyd war mit dem Blute

Deß HErren noch gemahlt daß er bloß vns zu gute

Nach dem er auff sich nahm die frembde Missethat

Durch diesen gantzen Kreiß der Welt gesprenget hat.

Diß war jhr schöner Rock in dem sie euch gegrüsset

Vnd an die Brust gedruckt vnd freundtlich hat geküsset

O jhr jhr liebstes Kind auff die jhr Tag vnd Nacht

Für allen dingen hier so embsig habt gedacht.

Mit derer Trefligkeit der edle Standt vnd Orden

Diß Reichthumb vnd Gewalt ist vbertroffen worden.

Was jrrdisch ist verdirbt: Die Frömmigkeit besteht

Wann Glut Lufft Erd’ vnd See zu grund’ vnd boden geht.

Wer ist doch vnter vns der ewre Jahre zehlet?

Die Tugendt bringt es ein was euch an Alter fehlet

O Menschliche Göttinn’ vnd ewrer Gaben zahl

Mit welchen euch auch fast vns Männern allzumahl

Deß milden Himmels gunst hat scheinbar vorgesetzet;

Euch sag’ ich die jhr nie das Leben habt ergetzet

Mit dessen Volckes Lust das an der Erden klebt

Vnd seinen schwachen Geist gar nimmer auffwerts hebt.

Jetzt seyt jhr nun befreyt von dieses Leibes Bande

Der Asche war vnd wirdt lebt in dem Vatterlande

Auß dem wir euch entlehnt schawt auff vns Menschen her

Verlachet vnser thun die wir das trübe Meer

Deß Irrthumbs fort für fort mit grosser müh durchreisen

Verfolgen vberal durch zwang durch Eiß vnd Eysen

Den thewren Koth das Geldt mit Recht vnd mit Gewalt

Vnd werden allgemach bey vnserm wünschen alt.

Ihr habt den bleichen Todt nun vnter euch geleget

Der ewren Heldensinn zum minsten nicht beweget

Den jhr als einen Freund vnd newen lieben Gast

Der gerne wirdt gesehn habt vnverzagt gefaßt.

Noch trawren wir vmb euch: Der suchet ewre Gaben

Der ewre Frömigkeit die jetzt mit euch begraben

Vnd eingesencket wirdt. Doch euch ist recht vnd wol;

Wir die wir vbrig sind stehn Noth vnd Jammers voll.

Deß höchsten Rächers Zorn der wegen vieler Sünden

Nicht lenger rasten kan lest häuffig sich jetzt finden

Reißt allenthalben auß: Es ist zu wenig noch

Zu wenig vber vns der Waffen schweres Joch

Vnd Bürgerliche Krieg die hochbeschwerten Zeiten

Mit Thewrung Hungersnoth vnd was zu allen seiten

Vns mehr vnd mehr bedrängt. Es ist ein newes Schwerdt

Mit dem des

Vnd durch den Sinn darzu verkürtzet vnser hoffen

Das gar zu eitel ist. Ein jeder wirdt getroffen

Von vns durch ewren Todt: Wie wann ein Baw gestellt

Auff einer Säulen steht vnd sie darnider fellt

So muß er auch hernach. Wir sollen hier noch ringen

Vnd zwischen Furcht’ vnd Trost die rawe Zeit vollbringen

Erwarten mit Gedult auch vnser letztes Ziel

Wann der so alles schafft vns zu sich haben will.

Nun euch jhr Königin der Tugendthafften Frawen

Sey besser als vns hier die wir jetzt nicht mehr schawen

Die grosse Freundligkeit vnd vieler Gaben schar

Mit der kein sterblich Mensch euch zuvergleichen war.

Es müssen Rosenbäum’ auß ewrer Grufft fürschiessen

Es müssen ewren Sarch Violen rings vmbschliessen

Vnd Blumen vieler art es müsse diß Gebein

Mit aller Specerey vmbher verschüttet sein.