Auff den trost daß man ihn mit ei- ner angenehmern weise zu verpflegen trachten ...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

So darff ich dann der schrifft und meinen augen gläuben?

Es ist ja allzu gut was mein gesichte liest.

Ach ja die schöne hand kan nichts als güte schreiben

Weil ihre führerin die güte selber ist.

Man sagt mir zu daß man mich zu verpflegen trachte

Mit einer speise die mir angenehm soll seyn.

Dies wort macht daß ich ietzt gantz keines essens achte

Biß diese ärtztin mir gibt ihre stärckung ein.

Kein hunger reitzet mich die speisen zu geniessen

Die nur den faulen leib zu mästen tüchtig sind.

Ach jene speise wird mir so den mund durchsüssen

Daß auch die seele selbst geschmack und krafft empfindt.

Sie lasse gütigste das halten und versprechen

Und das verpflegen mit den worten eines seyn.

Zwar eher wird ihr hertz als sie den glauben brechen

Doch spricht man wer bald gibt der stellt sich zweymahl ein.

Mein vorwitz darss hier nicht bemüht seyn nachzufragen

Von was für gattung die bestimmte kost seyn soll?

Es wird der geberin ihr eignes hertze sagen

Wie hoch (zwar unverdient ) sie mich verpflichten woll.

Genug ists daß ich weiß man wolle mich verpflegen

Mit speise speisen nimmt allein der mund zu sich.

Es kan kein andrer sinn ihm diesen trost zulegen

Es ruffet der geschmack: dies alles ist für mich.

Man speißt bißweilen zwar einander auch die augen

Und trinckt die liebe sich in diesen schaalen zu.

Man läst sie flamm und brand eins aus den andern saugen

Sie werden truncknen gleich und gehen halb zur ruh.

Wer leugnet daß ein bild ein auszug aller schönen

Der augen weyde sey da ihr Chrystall sich speißt

Wenn die vollkommenheit die alle welt muß krönen

Sich ihnen deckel frey und unverholen weißt:

So hat auch das gehör gebiesamt zucker-essen

Wenn ein liebkosend kind die süssen wörter nennt

Die vielmahl ursach sind sein selbsten zu vergessen

Daß der geruffene kaum seinen nahmen kennt.

Wann abgott seelen-schatz aug-apffel schönster engel

Und außerwehltes kind einander lösen ab.

So ist harthörigkeit und tauber ohren mängel

Beweiß: daß das gehör ein herrlich gastmahl hab.

Es speiset der geruch wenn ihn ein hauch vergnüget

Sein bestes Amber-brodt ist eine süsse lufft.

Die wenn ein schöner mund auf einem andern lieget

Uns offt entgegen geht und ins gesichte dufft.

Ists nicht ein freuden-mahl das das gefühl erquicket

Wenn man das schönste bild der niederwelt berührt

Die armen um sich schleußt wenn brust an brust sich drücket

Und die geliebte schoß ein grab der geister wird.

Doch alles diefes ist nicht eigentlich gesprochen

Wenn man die wollust speißt vergnügt sein essen heißt.

Dem munde bleibt sein recht und vorzug unentbrochen

Weil dieser eigentlich und nur alleine speist.

Demnach ich schönste dann auß ihrer zusag schliessen

Und sicher folgern darff mein mund soll glücklich seyn.

So mag es wie es will den andern leib verdriessen

Sie flösse durch den mund der seele speisen ein.

Jetzt will ich auch nicht mehr den lieben vogel neiden

Das arme thierchen mag in guten friede ruhn.

Wenn mich ein gleiches krönt kan ich sein glück wohl leiden

Der vorzug geht wohl hin der nicht kan eintrag thun

Sie lasse mich vergnügt an seinem tische speisen

Obs närrgen gleich den todt an diesem zucker fraß

So will ich doch mich so und aller welt erweisen

Daß hier ein mensch und dort ein dummer vogel aß.