Auff die abbildung des Cupido/ wie er die pfeile wetzte
By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Cupido der dich mehr als seinen köcher liebt
Will seinen schleiffer-zeug in deine kammer tragen
Ich weiß daß er dir schon im geiste küsse giebt
Und dir manch schlüpffrig wort wird in die ohren sagen.
Er stellt sieh nackt und bloß für deinen augen ein
Sein weisser attlaß ist der schnee von brust und lenden;
Denn wahre liebe soll recht offenhertzig seyn
Und unsre augen nicht durch schminck und schmuck verblenden.
Er lehrt dich wie man recht vertraulich lieben kan
Wie heisse liebe sich nicht leichtlich läst verdecken
Die paradieß-tracht steht ihm mehr als zierlich an
Denn reiner liebe zeug ist rein von staub und flecken.
Beyneben tröstet mich die gute zuversicht
Er werde gegen dich auch meiner treu gedencken
Und sagen wie mir offt mein mattes hertze bricht
Mein hertz das sich allein will nach Ambretten lencken.
Ich weiß er wird nicht weit von deiner lager-statt
(Sein schleiffen wird dir ja nicht deine ruh verstören)
Nach seiner kühnen art bewegen stahl und rad
Und was hier ferner folgt dich deutlich lassen hören:
Ambrette wo dein geist nicht meinen rath veracht
So laß beständigkeit und Liebe sich vermählen.
Wer auff veränderung und neue funcken tracht
Dem wird es nimmermehr an wermuths-körnern fehlen.
Ich lobe was bißher dein treuer geist verübt
Ich will ein kostbar vel in deine flammen giessen
Wo deine seele nicht die neben-züge liebt
So will ich deine gunst so gut ich kan versüssen.
Ich weiß wie redlich dir Cretin sein hertze schenckt
Wie willig sich sein geist nach deinem willen beuget
Und wie er mehr auff dein als seine wohlfahrt denckt
Ja wo es dir gefällt zu seinem grabe steiget.
Ich hab ihn neulich noch mit wehmuth angeschaut
Als du aus zeitvertreib von ihm dich weggerissen
Wie er aus trauer-sucht ihm hatt' ein haus gebaut
Und er in einsamkeit sich dachte zu verschliessen.
Die armen macht er ihm zum spiegel seiner noth
Ambrett' Ambrette rieff er aus dem bleichen munde
Dein aussenbleiben wär ihm herber als der tod
Und deine wiederkunfft bezuckert' ihm die stunde.
Es hat Cupido mir auch ferner zugesagt
Ein mehrers wegen mein bey ihr noch anzubringen
Eh' als er mich verließ so hat er mich gefragt
Wie tieff mein auge dörfft in deine gegend dringen?
Ich hoffe weil er so beweglich bitten kan
Er werd' Ambrette dich noch endlich wohl erweichen.
Ach freundin! hör ihn doch mit offnem hertzen an
Und laß mein freyes aug in berg und thäler streichen.
Cupido mag itzund verschleiffen tag und nacht
Du wirst ihm ja bey dir den engen raum vergönnen
Es hat der kleinste gott die allergröste macht
Wer wird was ihm beliebt doch wohl verwehren können?
Doh wenn er einmahl dich entblöst im bette schaut
Und an der zarten haut sein auge kan ergetzen
So schleifft er ferner nicht und ruffet überlaut:
Ambrette soll allein hier stumpffe pfeile wetzen.