Auff die glückliche Eroberung der Festung Ofen in Hungarn
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Freue dich du edles Land
Welches von den wilden Scythen
Und des Türcken strenger Hand
So viel Qual bißher erlitten!
Deine schwere Fässel springen
Und du kanst gewonnen! singen.
Gütt und Treue sind bereit
Deine Gräntzen zu umschlüssen
Frieden und Gerechtigkeit
Werden sich ins künfftig küssen
Wütten Würgen Rauben Brennen
Wirst du nur von ferne kennen.
Unsre Sonn aus Oesterreich
Welche keine Nebel dämpffen
Machet Oßmans Monden bleich;
LEOPOLDS gerechtes Kämpffen
LEOPOLDS beglücktes Kriegen
Weiß von nichts als lauter Siegen.
Mechmets Hochmutt fällt dahin
Und der Christen Volck hat Ofen
Hatwan Erla Segedin
Weissenburg sind seine Zofen
Temeßwar Canischa zittern
Essecks Brücke muß zersplittern.
Türcke Waradein war dein
Bald verehrt es unsern Käyser
Wo der Bulgarn Gräntzen seyn
Blühn ihm frische Sieges-Reiser.
Adrians erschrockne Thürne
Bitten uns mit Furcht die Stirne.
Bullions berühmtes Blutt
Läst sich keine Mühe dauren
Denckt mit unerschrocknem Mutt
Allbereit auff Solyms Mauren
Bojus weist wie Deutsche Fürsten
Stets nach Ruhm und Ehre dürsten.
Wittekinds und Brennus Sohn
Lassen ihre Waffen schauen
Deutsch und fremde Nation
Ficht die Wett' auff Pannons Auen.
Märcker Schwaben Sachsen Francken
Streiten stürmen sonder wancken.
Zwar das Grab wird hier bestellt
Manchem theuren Christen-Ritter
Aber wer so rühmlich fällt
Dem ist Wund und Tod nicht bitter;
Auff dem Ehren-Bette sterben
Heist unsterblichs Lob erwerben.
Nicht nur vieler Jahre Zahl
Und die Reyhe grauer Ahnen
Nicht ein prächtig Ehren-Mahl
Und die stoltzen Leichen-Fahnen
Tugend muß dabey das Leben
Und den wahren Nachruhm geben.
Was ist eine Hand voll Zeit
Die wir länger Athem ziehen
Gegen langer Ewigkeit?
Uns ereilt doch was wir fliehen.
Besser jung mit Ruhm gestorben
Als durch langes Weh verdorben.
Edlen steht der Degen an
Land und Kirche zu verfechten:
Wer hier seine Pflicht gethan
Trägt die Krone der Gerechten.
Vor dem Christen-Feinde sterben
Heist das Reich der Christen erben.
Nur der Cörper fällt in Sand
Nur die Asche wird begraben;
Fama schreibt in Diamant
Welche wohl gefochten haben
Späte Nachwelt wird die Helden
Die vor Ofen blieben melden.
Lasst dem Höchsten ders gethan
Danck- und Freuden-Lieder schallen
Zündet Freuden-Feuer an
Lasst Mußquet und Stücke knallen
Heget Spiele last die Säiten
Tödten alle Traurigkeiten.
LEOPOLD du grosser Fürst
Wir erkiesen schon mit Freuden
Wie du künfftig herrschen wirst
Wo der Thracer Heerden weiden.
Oesterreich wird ewig blühen
Und zu Stambol Erben ziehen.
Unsre Pflicht soll Leib und Gutt
Dir zu treuen Diensten weyhen
Und der hegt kein deutsches Blutt
Der nicht wird mit Freuden schreyen:
Oesterreich soll ewig blühen
Und zu Stambol Erben ziehen!