Auff die jungfer K***. C. E.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Cupido warff im zorn die fackel aus der hand

Und sprach: was nützt mir mehr dein wunder-voller brand

Da sich die hertzen itzt in harten stein verkehren

Und deine funcken nichts denn schnee und eyß gebähren?

Denn feuer das wol eh den himmel angesteckt

Und drauff die unter-welt durch seinen blitz erschreckt

Weiß mehr von keiner glut und seine kräffte schwinden

Die stahl und eisen sonst wie dünnes rohr entzünden.

Verkehrt ihr flammen auch in nebel dampff und nacht

Und bleibt durch diesen fluch bey aller welt veracht!

So rieff er noch zuletzt zu den verloschnen bränden

Und wolte sich hiermit nach seinem bogen wenden;

Ach aber! weil er blind und gar zu sicher war

So hat’ inzwischen ihm die lose Nymphen-schaar

Den scharff-gespitzten pfeil und auffgespannten bogen

Durch gantz geschwinde list entrückt und weggezogen.

Cupido ward so bald des diebstahls nicht gewahr

Als er sehr kläglich that; bald räufft er sich ins haar

Bald schlug er an die brust dann fing er an zu weinen

Daß erd und himmel selbst empfindlich musten scheinen.

Wiewohl diß alles war den Nymphen nur ein spott

Sie höhnten noch dazu den kleinen liebes-gott

Der weil ihm sein gewehr so räubrisch war genommen

Jtzt ohne bogen nicht dorfft in den himmel kommen.

Er riß den flor hinweg lieff einsam hin und her

Und klagte den verlust als er von ohngefehr

Die art’ge K*** beym nahmen hörte nennen

Und drauff begierig ward sie in person zu kennen.

Jhr nahme sprach er flöst mir wieder hoffnung ein

Ich werde mehr durch sie als iemals glücklich seyn:

Und ob schon gram und leid mir itzt die flügel binden;

Doch wieder süssen trost in ihrem umbgang finden.

Wer kennt den zunder nicht und die verdeckte glut

Und was ein kühnstock sonst vor seltne wunder thut?

Gewiß! hier findet man die nahrung süsser flammen

Die selbst der himmel nicht kan richten noch verdammen.

So sprach er gantz erfreut als eben drauff geschah

Daß er die K*** urplötzlich vor sich sah

Er sah den klugen mund die augen brust und wangen

Ach! dacht er bey sich selbst: was hertzen werd’ ich fangen

Hier seh ich schon den sieg der durch verstellte list

Der welt die freyheit raubt und mir bereitet ist;

Man soll so kalt man ist mehr als zu viel erkennen

Daß ihre blicke mehr als meine fackeln brennen.

Diß war sein letztes wort worauff er gleich zur hand

Sich mit der K*** durch eyd und pflicht verband

Die itzt wohin sie nur die süssen augen wendet

Verwirrung feur und glut durch tausend hertzen sendet.