Auff die Perlitz-Mühlendorffische Hochzeit.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Das grüne feigenblat das Adam vor sich nahm

War kaum mit schlechter kunst um seinen leib gewunden

Als Eva schon bey sich in die gedancken kam:

Ey warum haben wir uns beyde doch verbunden?

Ist Adam so wie ich an gliedern auch bestellt

So dürffen wir uns ja nicht vor einander schämen?

Und führt er sonsten was das etwan mir gefällt

Warum will die natur mir mein geschencke nehmen?

Sie hätte noch vielmehr der sachen nachgedacht

Was aber ließ sie doch die kurtze zeit umfassen?

Weil gleich den augenblick das urtheil ward gebracht:

Sie solten beyderseits das paradieß verlassen.

Nach diesem schlug das feur zwar frische flammen an

Sie fand sich aber noch zu zeiten sehr betrogen;

Denn Adam war nunmehr mit peltzen angethan

Und hatte leib und haut mit fellen überzogen.

Wer war wohl ärmer nun als Eva dazumahl?

Sie mischte speiß und tranck mit kummer-reichen thränen;

Ihr hertze war voll angst die seele voller quaal

Und muste sich umsonst nach ihrer kühlung sehnen.

Doch weil sie mittler zeit noch solche grillen fieng

Und der gedancken schiff ließ hin und wieder fliegen

Geschach es ungefähr daß sie zu felde gieng

Und ihren Adam fand im grünen grase liegen.

Sein leib war mehrentheils von kleidern unbedeckt

Die glieder streckten sich wie silberne Colossen

Nur diß was die natur zum zunder ausgesteckt

War noch zu mehrer lust in rauches fell verschlossen.

Wie wenn nach trüber nacht der schwartze schatten weicht

Wenn himmel wolck und lufft in reinem golde strahlen

Alsdenn der kühle thau die felder überstreicht

Und sich die tulipen mit frischem purpur mahlen.

So zog der Even hertz den freuden-balsam an;

Die adern stürtzten sich in geister-volle flammen

Und was ihr ehermahls das gröste leid gethan

Schlug itzt in einen dampff der grösten lust zusammen.

Sie fiel vor susser qvaal in den begrünten klee

Die füsse suncken ihr bey ihren Adam nieder

Und endlich drückte sie des leibes zarten schnee

Und ihre schwanen-brust an seine marmol-glieder.

Der stirne taffel-werck des halses helffenbein

Der lichte carmasin der rothen mund-corallen

Die alle dauchten ihr nur leerer schaum zu seyn

Auff die ein heisser mund läßt seine küsse fallen.

Sie forschte weiter nach und blößte seinen schooß

Ihr finger rührte sich um seine weiche lenden;

Da war sie völlig nun der alten sorgen loß

Und schaute den betrug in ihren liljen-händen.

Ja sprach sie voller scham das hab ich wohl gedacht

Daß Adam nicht umsonst die blätter vorgenommen;

Wer aber hat ihm nur den plunder angemacht

Und wo ist Adam doch zu diesem schaden kommen?

Doch was bedenck ich mich? die brust ist ja zu klein;

Vielleicht hat die natur mir meinen mann betrogen

Und hat was sonsten soll am busen oben seyn

Durch ihre wunder-kunst biß unten hin gezogen.

Ich weiß nicht ob sie gar zu laute worte sprach;

Denn Adam fieng nun an vom schlaffe zu erwachen:

Doch als er endlich sah was Even noch gebrach

Da must er bey sich selbst der blinden einfalt lachen.

Er schloß ihr zartes haupt mit seinen armen ein

Und netzte mund und hand mit hundert tausend küssen

Biß daß die stille krafft der unbekandten pein

Ihm ließ das sanffte gifft durch seine nieren fliessen.

Da schärfft er allererst der Even den verstand

Sie laß aus seiner hand die süssen zucker-beeren

Und beyde wünschten nun daß diß versüßte band

Und diese stunden doch nur möchten ewig währen.

Hierauff zerfloß ihr geist durch die zerstreute welt

Der starcke dampff ergriff den gantzen kreyß der erden

Und selbst im himmel ward der feste schluß gefällt:

Es solten künfftig nun aus jungfern frauen werden.

Was wunder ist es denn daß euch geehrtes paar

Das anmuths-volle garn der liebes-lust umschlossen?

Weil diese süsse noth unüberwindlich war

Und eur gefängniß selbst aus Adams schooß geflossen.

Was fleisch ist sauget auch vom fleische seine krafft

Und wer ist der mir will mit worten widerstreben?

Daß nicht weil Eva sich am apffel hat vergafft

Die engel oben nur und unten menschen leben?

Ihr thut was die natur auff erden eingesetzt

Was selbst der himmel hat in eure brust geschrieben;

Was auch das Alterthum vor reine lust geschätzt

Und fast vor aller welt ist unverworffen blieben.

Drum kan der himmel euch auch nicht zuwider seyn.

Das glücke wird euch stets in vollen ampeln brennen

Und dieser zeiten gifft wird durch der sorgen pein

So wenig eure lust als die gemüther trennen;

Wo euer füß hintritt da werden rosen stehn

Doch solt ihr beyde nicht die scharffe dornen f

Sie soll als eine braut in balsam-ströhmen gehn

Und er soll lebens-lang mit jungfer-äpffeln spielen.

Wo hätt’ ihr besser wohl eur leben angebracht?

Wie solt eur freuden-baum wohl andre früchte tragen

Als itzt da eure lust in voller blüte lacht

Und eure liebe muß in tausend knospen schlagen?

Seyd eurem glücke nur nicht selber hinderlich

Und laßt den perlen-thau nicht in der lufft zerfliegen

Denn freut euch beyderseits wenn um Jacobi sich

Ein junger Perlitz wird in seiner muschel wiegen.