Auff eben denselben.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Wie artig trifft der mensch doch mit den blumen ein

Die heute prächtig stehn und morgen doch verschwinden!

Da lust und traurigkeit in stetem wechsel seyn

Und sich die farben nur auff kurtze zeit verbinden.

Was arbeit kost es nicht eh man das dürre feld

Kan zu der nutzbarkeit der blumen tüchtig machen?

Was mühe steht es nicht eh wir die blinde welt

Und ihre phantasey recht wissen auszulachen?

Und wenn die blumen nun in vollem purpur stehn

Und hier die lilien dort silberne narcissen

Und da die tulipen mit saamen schwanger gehn

So wird die gantze pracht durch wind und sturm zerrissen:

So wenn wir kaum den schaum der erden angeblickt

Und erst die balsam-krafft der bücher angerochen

So wird uns durch den tod der kluge kopfft verrückt

Und unser leben so wie blumen abgebrochen.

Drüm zieht ihr traurigen die müde thränen ein

Weil unser wesen doch nicht eher kan bestehen

Als biß wir endlich auch wie dürre blätter seyn

Und unsre glieder so wie blumen untergehen.

Der todte tritt nunmehr in himmels-garten ein

Und wie die blumen sich verdoppeln in der erden;

So wird er weil er nicht kan irrdisch fruchtbar seyn

Im himmel allererst zur vollen blume werden.