Auff einen beym spiel bekommenen kuß an ihre lippen.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Lebt wohl! der himmel will ihr lippen daß ich scheide!

Ihr habt durch einen kuß das hertze mir entführt

In meinen wangen wird kein leben mehr gespürt

Mein mund steht gantz erblaßt und weisser noch als kreide

Die augen brechen mir sie kennen keine freude

Weil nichts als finsterniß in ihnen sich gebiehrt;

Die seele wird durch angst und bleiche pein gerührt

Und zeigt daß ich den tod in allen gliedern leide.

Sie stirbet sie vergeht auff eures mundes pracht

Sie liegt in letzter noth sie rufft schon: Gute nacht!

Hilff Venus wo du kanst doch ihre wahlstatt ehren

Laß um ihr süsses grab stets frische rosen blühn.

Ach aber Solime! laß sie doch nicht zu kühn

Durch einen fremden kuß in ihrer liebe stöhren.