Auff einen ihr abgezognen schwartz- geätzten ring. C. E.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Schatz dem kein demant gleicht du bild der ewigkeit

Das keinen anfang zeigt und auch kein ende kennet;

Du abriß des gestirns das um den welt-kräyß rennet

Und uns bey stiller nacht die bleiche strahlen beut;

Bald stell ich mir durch dich und deines zirckels zier

Das grosse rund der welt bald gar den himmel für;

Bald wieder auch die pracht und schönheit meiner sonnen

Die ihrem wesen nach ist eine kleine welt

Die allen überfluß von anmuth in sich hält

Und durch verborgne krafft den sieg mir angewonnen.

Die Phillis liegt in dir und du in ihr geprägt

Sie ist wie du ein ring der reinsten liebligkeiten;

Jhr auge kan die krafft den diamanten streiten;

Das haar das sich verwirrt in runde locken legt;

Der mund der wie ein ring von purpur und rubien

Durch seine rothe glut beschämt den corallien;

Die brust die selbst umkräntzt mit weißen marmol-ringen;

Diß und ein mehrers das die mißgunst uns verhüllt

Trägt in sich eingedrückt dein süsses ebenbild

Und kan durch stilles feur die kältste hertzen zwingen.

Vor trug die Phillis dich an ihrer rechten hand

Zum zeugniß daß sie dich in höchsten würden hielte.

Ach! aber da das glück so freundlich mit dir spielte

So wurd’stu ihr mit list ich weis nicht wie entwand.

Jtzt fordert Phillis dich mit ungestüm zurück

Und gönnt mir ferner nicht das längst gewünschte glück

Das ich dich soll wie sie an meinem finger tragen;

Sie nimt kein reden an sie hört kein bitten nicht

Du selber sehnst dich auch nach ihrem sonnen-licht

Und fliehst vor meiner noth wie sie vor meinem klagen.

Geh dann du leichtes bild der unbeständigkeit

Daß wie ein rad sich dreht bald auff-bald abwerts steiget

Jtzt uns in himmel hebt und drauff die hölle zeiget

Du spiegel meines glücks das lauter unglück dräut.

Dein schwartzer anblick spricht von marter angst und noth

Von finsternis und nacht gefängnis grab und todt;

Du stellst die fesseln vor die meinen geist umringen

Die banden die wie du ohn alles ende seyn

Die meine lust verkehrn in sorgen-volle pein

Und hoffnung und gedult letzt zur verzweiflung bringen.