Auff Herrn Caspar Kirchners vnd Jungfraw Marthen Queisserin Hochzeit.

By Martin Opitz

Es ist in Engelland wo sonst Diana hetzet

Vnd an der Temse randt sich mit der Jagd ergetzet

Nicht weit von Windesoor ein lustig grünes Thal

Mit Gaben der Natur gezieret vberal;

Die Klippen oben zu sein fürgesetzt der Sonnen

Die Wiese wirdt erfrischt von vielen süssen Bronnen

Die Blumen vnd das Gras ist niemahls abgemeiht

An Winters statt ist Herbst an Sommers Frülingzeit.

In dieses edel Orth ist sagt man Venus kommen

Nach dem der Selymus jhr Cypern eingenommen

Da hat jhr Volck ein Schloß von Rosen auffgebaut

So die Poeten nur sonst niemandt angeschaut.

Der Mond ist viertzig mahl nun fast mit frischen Pferden

Gereiset vmb vnd vmb den runden Kraiß der Erden

Als jhr Herr Breutigam alldar seit angelangt

Vnd euch ward zuerkennt was jhr erst jetzt empfangt

Dann als die Göttin sah wie jhr auß Lust der Tugendt

Auffgabet williglich die Blüth an ewrer Jugendt

(nicht wie die meisten thun so wandern vber Meer

Vnd bringen vor Verstandt frembd’ Art von Lastern her

Ertappen newe Tracht an statt der Weisheit Güter

Verendern nur die Lufft behalten die Gemüther:)

Hatt sie es so versehn weil sie Poeten holdt

Daß jhr in diesem Port euch hier erholen solt.

Wo ist nun die Natur wo seindt die grossen Sinnen

Mit derer Hochheit jhr zuvor erschöpffen künnen

Den grundt der Wissenschafft? Wo ist der Weißheit Zier

Mit der jhr hoher Geist giengt vielen andern für?

Wo ist der Circkel denn mit welchem jhr der Sternen

Vnd Himmels eygenschafft gepfleget zu erlehrnen?

Hier hier ist ewre Sonn ist ewer Firmament

Ist ewer Erdenkreiß: Hier hat die Welt ein endt.

Last Aristotelem last liegen Epicteten

Vergeßt der hohen Kunst der Himmlischen Poeten:

Was mein Ovidius geschrieben hilfft euch nicht

Was Maro nie gewust wirdt jetzt ins Werck gericht.

Vergönnet mir denlauff der tapffern werthen Helden

Die vor das Vatterlandt sich opffern zu vermelden.

Das so jhr jetzundt thut ich mir noch nicht begehr

Was aber ich will thun wer’ euch mit dem zuschwer.

Ihr werdet von der Lust darvon jhr offt geschrieben

Mit grosser Höffligkeit jetzt selber auch getrieben.

Warvon jhr für der Zeit so schöne Vers erdacht

Wirdt billich dermahl eins euch nun zu Hause bracht.

Vnd sehet es kompt gleich von Venus ein Postirer

Der gulden

Der meldet jhr solt fort es sey schon hohe Zeit

Geht hin jhr liebes Par den Weg der Ewigkeit.

Geht geht es ist gewiß ohn einige Gefehre

Vnd wann das streiten nicht in Böhmen grösser were

Es solte mancher wohl der bey der Mutter ligt

Vnd nur das Pflaster truckt hinlauffen wo man kriegt.