Auff Herrn Sebastian Namßlers Hochzeit.
By Martin Opitz
So offt ich bey mir selbst (wie ich zuthun dann pflege )
Der Liebe lauff vnd art mit allem fleiß erwege
Befind ich allezeit daß jhre Tyranney
Nur sey ein blosser Wahn vnd blinde Fantasey.
Die Venus ist die Zier der freundlichen Jungfrawen
Damit sie prangen thun auff art der stoltzen Pfawen
Damit sie vnser Hertz vnd Sinnen nehmen ein
Darauß entspringen muß die bitter süsse Pein.
Sie brechen sich herauß: Ihr trachten vnd jhr sinnen
Ist eintzig vnd allein wie sie vns fangen künnen
Der Kopff vor Schmuck sich beugt die Stirne glantzt herfür
Der Wein ist reiff vnd feil der Krantz hengt vor der Thür
Doch kan vns sonderlich der Augenglantz versehren
Das wunderschöne Liecht thut allesampt bethören
Die Augen sein die Straß die Augen sein der Steg
Dadurch in vnser Hertz Cupido trifft den Weg.
Gantz schön vnd meisterlich die arge Damen wissen
Die runden Kügelein jetz hin jetz her zuschissen
Bald trucken sie sie zu bald werffen sie sie auff
Biß endtlich wir gemacht den thewren Liebeskauff.
Da haben wir sie denn daß vnser standthafft Hertze
Kunst Weißheit Lob vnd Ehr muß weichen solchem schertze
Das Griechisch vnd Latein wirdt vns gar vnbekandt
Für Plato nemen wir den Amadis zu Handt
Das kan ein Weibesbildt: Bald will sich der erhencken
Vor vnerhörter Brunst bald will sich der ertrencken
Der Thränen weite Bach auß beyden Augen quillt
Voll seufstzen ist das Hertz: Das kan ein Weibesbildt.
O wie glückseelig ist Herr Breutigam das Leben
In das jhr euch jetzt wolt mit ewrem Lieb begeben
Ihr liebet ohne Forcht in wahrer Freundligkeit
Ihr seyt von Liebes Pein gantz sicher vnd befreyt.
Wir müssen mit Gedult an Venuswagen ziehen
Vnd vns bey Tag vnd Nacht mit jhrem Joch bemühen
Wir sehen Angst vnd Noth jhr sehet Hülff vnd Rath;
Was bey vns Hoffnung ist das wirdt bey euch die That.
Nun wohl: Gebrauchet euch der guten Zeit vnd Stunde
Vnd heylet freundtlich zu die zarte Liebes Wunde.
Cupido hat gesandt den Hymen allbereit
Daß er der Jungfrawfchafft soll geben das Geleit.
Vnd jhr O schöne Braut wolt euch nur gern ergeben
Es ist doch nicht zum Todt es ist viel mehr zum Leben.
Wir aber lassen noch die süsse Wercke stehn
Biß es vns dermal eins auch wirdt so wol ergehn.