Auff hn. Daniel Simon/ vnd jungfr. Dorotheen Dröckels hochzeit:

By Johannes Plavius

Man saget wunderding eh denn in alten jahren

Da noch die leute nicht so weis' vnd witzig waren

Die süsse Medicin der liebe wurd' erkannt

Wie man sich vnterstund zu leschen liebes brand

Den erst ein wunderthier (wie man es damals nennet

Als vnbekandt) erweckt welchs jetzt ein jeder kennet

Vergifftet von gesicht' vnd wunderlich von sinn

Das fast durch seine list die gantze welt hatt' inn'.

Es war ein seltsam thier man must' es lieb gewinnen

(Vnd war es schon mit gifft von aussen vnd von innen

Des Amor sich gebraucht wenn er die pfeile schmiert)

Bestrichen gantz vnd gar das sie also vexiert.

Es war ein seltsam thier man war damit verschlagen

Man hatt' an seiner schön' vnd zierd' ein gross behagen

Bis daß ein süsser brand hinnein ins hertze kam

Vnd einem den verstand vnd witz gefangen nam.

Dann gieng die marter an man lag in grossen schmertzen

Man lag in grosser hitz' es griff frey nach dem hertzen.

Man fragte was es wär' vnd – suchte rath vnd that

– Versucht auch artzeney fandt aber keinen rath.

Der hiess es tolle seyn ein ander hieß 's ein fieber

Der dritte hertzen-angst der vierte wolte lieber

Er wäre lange tod der fünffte nennt' es tandt

Vnd nur Melancholey; der sechste kalten brand.

Man brauchte mancherley der ließ sein wasser sehen

Der bandt was auff den puls vnd ließ die ader gehen

Der dritte schmierte sich den magen vnd die stirn

Der vierd' ergriff die pill' vnd reinigte das hirn.

Der fünffte lieff davon ließ alles seyn vnd stehen

Vnd hoffte dieser pest vnd marter zu entgehen.

Der sechste sprach: wolan lasst vns mit schwerth vnd gluth

Das wunderliche thier das solchen schaden thut

Vertilgen von der welt. Drauff griff zu seinem degen

Vnd bogen wer da kont' vnd zog dem thier' engegen

Das wunder schöne thier wird dessen zeitig inn'

Vnd wirfft 's gesicht auff sie da war das hertze hin.

Der hielt' die augen zu der ander bath genade

Der dritte rieff: ach helfft. Der vierde sprach 's ist schade

Daß man solch schönes thier sol tödten ohne schuldt.

Hilfft nichts für vnser weh so hilffet ja gedult.

Der fünfft' vnd sechste schrie er fühlte newe wunden

Da hies man 's zauberey. Bis endlich wurd' erfunden

Die heimlich artzeney die da verborgen war

In Venus Apoteck in die neunhundert jahr.

Dis ist herr bräutigam ein' artzeney gewesen

Die ehr'zeit vnbekant durch welch' jhr werdt genesen

Geht schwitzt ewr fieber aus geht schwitzet aus die pein.

Die pein; welch' ohne schweiß nicht wil vertrieben seyn.