Auff hn. Henrich Petzwitzn/ vnd jungfr. Florentinen von der Linden hochzeit:
Amor aus der Götter orden
Ist nun auch ein gärtner worden
Jhm gefällt als mir bewust
Nichts so wol als garten lust.
Eine linde weiss ich eigen
Starck von stamm vnd grün' an zweigen
Ein lind' in vollem flor
Zeuht-er allen bäumen-vor.
Weil jhm aber vnter allen
Sonderlich ein zweig gefallen
Als häwt dieser schlimme gast
Ab denselben schönen ast.
Setzt ihn heut' in's bräutgams garten
Der sol seiner fleissig warten
(Wie man pflegt vnd wie man soll
Daß ein zweig bekleibet wol)
Mit begiessen vnd mit düngen
Als denn werd' es jhm gelingen
Daß er linde Linden-blüt'
Innerhalben jahres sieht.
Darumb irren die bey weiten
Die in diesen winterzeiten
Dörffen sagen ohne schew
Daß es nicht gut pflantzen sey.
Andre bäwme sind verdorben
Andre bäwme sind erstorben
Andre bäwme zwingt der nord
Dieser zweig grünt fort vnd fort.
Grünt vnd blühet in der jugend
Blüht vnd grünet in der tugend
Grünt vnd blüht ohn vnterscheid
Blüht vnd grünet allezeit
Eh die süsse lerche singet
Eh die schwalbe 'n früling bringet
Eh sich noch der vögel chor
Schwingt mit süssem thon empor
Eh der saft vom West erreget
Recht in andre bäwme schläget
Wird dis linden zweigelein
Etwas schon verblühet seyn.