Auff hn. Johan Proiten und jungfr. Esther Willembrochs hochzeit:

By Johannes Plavius

Wie wandelbar vnd schwach wie vngewiß vnd flüchtig

Wie elend' vnd wie schlecht wie eitel vnd wie nichtig

Seind alle dinge doch die diese grosse welt

Die dochter der natur in jhren armen hält?

Das macht die schwinde zeit die alle dinge misset

Die alle dinge giebt die alle dinge frisset

Vnd wird doch nimmer satt. Die grosse Mörderin

Reisst-vns vnd vnser thun fast vnvermercket-hin.

Nicht lange hörte man mit süssem tirilieren

Das leichte-fedder-volck in hoher lufft spatzieren

Nicht lange gab der Lentz im walde berg' vnd thal

Durch seinen westen-wind vns blumen ohne zahl

Der felder frewd' vnd lust die riechenden violen

Die erste frülings-zier – da-jhren saft-von hohlen

Das süsse honig volck: nicht lang' im vollem flor

Kam Chloris höchste pracht die schöne ros' hervor.

Auch sahe man hernach in gärten vnd in flüssen

In voller blüthe stehn die lilgen vnd Narcissen

Der frembder Tulipan samt andern blümelein

Die keiner zählen wird ließ blicken seinen schein.

Der ruchdie schöne farb' erfrischen hertz' vnd sinnen

Man muss sie gerne sehn man muss sie lieb gewinnen

Die schönen blümelein Zephyr der Sommer windt

Kan sein nicht mächtig seyn wird gegen sie entzundt.

Nu kömmt der kalte nord eh man es hofft geprauset

Quer vber see daher pfeift heulet singt vnd sauset

Vnd rafft-in einem sturm viel zarter blumen hin.

Wie schöne sie auch seyn bricht doch nicht seinen sinn.

So thut der Hymen auch jhr spiegel vieler tugend

An euch o jungfraw braut in ewrer grünen jugend

In ewrer besten blüth' er pflickt die blum' herab

Die euch die tugend selbst zu grosser zierde gab.

Die wie der morgenstern mit seinem klaren liechte

Der andern sternen schein die blumen macht zu nichte.

Die wie der volle mon durch seinen schönen glantz

Des morgensternes preiß beschämet gar vnd gantz

Die wie die göldne Sonn' eh sie recht auffgestanden

Den mon vnd sternen macht in jhrer pracht zu schanden

Mit jhrer tugendt zier die rose schamroht macht

Die reisset-freventlich der Hymen-ab vnd lacht.

Viel tugendsame braut ich dörffte das wol sagen

Jhr hättet euch mit recht auf Hymen zu beklagen

Wenn nicht der alte brauch in aller welt vnd hier

Durch solcher blumen tod mehr blumen brächt' herfür.