Auff hn. Johann Wincklers vnd fraw Annen Biesings hochzeit:
Nähst als Latonen sohn nach vnser westerseiten
Die roß' ins wilde meer wolt' in die träncke reiten
Vnd da der silber-mon kam gegen selbe nacht
Mit Mars vnd Orion getreten auff die wacht
Gieng – ich spatzieren – aus daß ich mein schloß der sinnen
(Welchs die Melancholey der Musen feind hatt' innen
Mit list ersteigen möcht' auff daß die frewd' vnd lust
Drinn' hätten jhr guardier die vielen nicht bewust.
Da sah' ich mannich thier voll lust vnd ohne kommer
Sich weiden mit gewächs' entsprossen diesen sommer
Pans vnterthanes volck das lag vnd ruhte was
Gestreckt in grünen klee gestreckt in 's grüne graß:
Da war ein süsser thon ein frölich tirilieren
Ein lieblich liebe-laut von flaum-bekleidten thieren
Die süsse nachtigal war über alle wach
Jhr krauses stimmelein gab – keinem vogel – nach.
Da war kein trawren nicht da war ein jeder frölich
Da war ein jeder froh da war ein jeder wählich
Nur eine durteltaub' als mich bedeucht verirrt
Saß auff eim dürren ast' elendiglich vnd girrt.
Sie flog bald hin bald her sie sucht' an allen enden
Von dem sie war gesucht den der jhr leid zu wenden
Von jhr entwendet war. Nicht anders geht es mir
(Hört' ich vnd sahe nichts) das klag ich jtzt alhier.
Mir sol kein vngefäll kein sturm kein vngewitter
Vnd wär' es noch so groß vnd wär' es noch so bitter
Zu groß vnd bitter seyn ohn' euch der jhr erquickt
Mein hertze welches schier durch liebes brand erstickt
Durch liebesbandt bestrickt verknöpffet vnd verbunden
Voll süsse bitterkeit voll fewr voll gifft voll wunden
Voll dencken stets an euch voll seufftzen vnd voll noth
Voll hoffen vnd voll forcht voll kranckheit vnd voll tod
Voll lassen vnd voll thun voll trauren vnd voll heulen
Voll wünschen voll beschweer voll kuglen vnd voll pfeilen
Voll zweiffel vnd voll angst voll vnruh' alles voll
Deß was man vmb sein lieb aus liebe leiden soll.
Nu tugendsame braut seyd jhr es denn gewesen
Die ich damals erhört so seyd jhr nu genesen
Denn der ist wieder loß vnd löst euch aus gefahr
Der euch gefangen hielt' als er gefangen war.
Die liebe macht jhn looß die euch vnd jhn gebunden
Hat an ein süsses joch. Die jhm entgegen stunden
Die ritterliche kunst das glück' vnd herrengonst
Acht' er ohn euch zu seyn für lauter wind vnd donst.
Ich wünsch' jhm wegen ewr für solche seine trewe
Daß jhn der trewe Gott mit trewem glück erfrewe
Ich wünsch' euch wegen sein lust frölichkeit vnd ruh
Bis endlich Atropos drückt beider Augen zu.