Auff hn. Nicol Dest/ vnd jungfr. Elisabeth Sarmondts/ sonsten ins gemein/ nach d...

By Johannes Plavius

Newlich eh 's noch wolte tagen

Gieng – Cupido – aus zu jagen

Hin in seiner mutter wald

Außstaffieret der gestalt.

Er nam seinen liebe-bogen

Mit der sänen auffgezogen

Auch vergaß der bösewicht

Z' hause seinen köcher nicht

Band denselben auff die seite

Vnd zog aus auff frische beute

Steckte scharffe pfeile drein

Sehr vergifft; mit liebespein

Sehr vergifft; mit seite-blickchen

Sehr vergifft; mit liebes stückchen

Vberzuckert; mit gelach

Vberzuckert; mit gemach,

Amor fing kaum an zujagen

Hört' er vnsern bräutgam sagen:

Worzu soll die liebes pein?

Ist 's nicht gut alleine seyn?

Worzu wil man sich betrüben

Nur mit lieb' vnd wiederlieben?

Wer da liebt lieb' immerhin

Ich wil bleiben als ich bin.

Dis hört' – Amor – an mit schmertzen

Dachte doch in seinem hertzen:

Gilt es sol dein trotzer sinn

Bald' erfahren wer ich bin.

Trat drauff vor jhn zielende mit

Seinem bogen spielende bald

Druckt' er loß vnd traff jhm 's hertz'

Als er liebe hielt für schertz.

Ach du gott der süssen schmertzen

Rieff er was ist das für schertzen?

Ey du machst mir 's allzubunt

Hertz' vnd seel' ist mir verwundt.

Seel' vnd hertz ist mir durch schossen

Hertz' vnd seel' ist nu verdrossen

Seel' vnd hertze mehr zu seyn

Hertz' vnd seele fühlet pein!

Seel' vnd hertze schmertz empfindet

Hertz' vnd seel' ist gar entzündet

Seel vnd hertz' in Amors hand!

Hertz' vnd seel' ist gar inn brand

Seel' vnd hertz' ist kalt vnd schwitzet

Hertz' vnd seele freurt vnd hitzet

Seel' vnd hertz' ohn allen tand

Fühlet deinen kalten brand!

Hirsche werden sie geschossen

Eh sie Dictam recht genossen

Werden also bald gesundt

Seyn sie noch so sehr verwundt.

Aber wer wil mich verbinden?

Aber wo sol ich doch finden

Etwas daß ich werde heil?

Tod! ich werde dir zu theil.

Wird mir niemand hülffe geben

Wozu sol mir denn das leben?

Amor hört – dis klagen – an

Spricht zu jhm: Ey nu wol an

Daß du nicht also verderbest

Vnd in lieb' ohn hülfe sterbest

Wil ich dir ein pflästerlein

Geben das recht gut wird seyn.

Diese jagt vnd dieses klagen

Soll ich recht die warheit sagen

Ist ein trawm doch fält mir ein

Wer doch mag das pflaster seyn?

Wenn ich mich nur recht bedencke

(Ohne schertz' vnd ohne schwencke)

Deucht mich wenns kein laster ist

Daß die braut das pflaster ist.

Oder weil sie jhren wunden

Noch zur zeit kein pflaster funden

Deucht mich kan 's kein laster seyn

Wird der bräutgam 's pflaster seyn.