Auff hn. Wilhelm von Breen/ vnd jungfrawen Marien Meisen hochzeit

By Johannes Plavius

Ist 's nicht ein elend-ding wenn man in seiner jugend

Nach kunst vnd weißheit trachtt vnd ringt nach ehr' vnd tugend

Daß eim der rechte grund der weisheit wird verrückt

Vnd wird durch solche list die warheit vnterdrückt.

Ich hätte wol vermeint daß wiedrig' eigenschafften

An einem dinge nit auff einmahl könten hafften

Noch find' ich mich verführt noch find' ich mich bethört

Weil man in Amors schul' vns viel einanders lehrt.

Denn schawet doch nur an den kalten brand der liebe

Das überheisse kalt das wunder-helle trübe

Das fewer-heisse nass das wasser-nasse fewr

Das tewr-gemeine ding das allgemeine tewr;

So könnt jhr nicht vorbey jhr müsst mit mir bekennen

Daß man 's heiss-bitter-süss' vnd wasser müsse nennen;

Ein wasser vnd ein fewr; weil's mit sich selber kämpfft:

Fewr; weil es hitzt vnd brennt: vnd wasser, weil es dämpfft:

Fewr: weil es marck vnd bein in kurtzer zeit verzehret:

Vnd wasser; weil es auch zu zeiten etwas neeret:

Fewr; weil es durst erweckt: vnd wasser; weil es trenckt.

Gluth; weil sich's in die höh; fluth; weil sich's niederlenckt.

Wo diesem nun also so muß man liebe nennen:

Ein wässeriges fewr ein wasser-kühles brennen

Ein stetig-heisses kalt ein wiederkühles heiß

Ein fewer-drocknes naß ein kalt-doch brennend-eiß.

Das heisst fürwar ja wol ein seltsam grillisieren

Ein vngemeinter ernst ein ernstgemeint vexieren!

Sol nun gluth wasser seyn; vnd fluth ein dürres heiss

So weiss ich was ich wil vnd doch nicht was ich weiss.

Ich muss hierinnen nur der Löffeley studenten

Des grossen kleinen-gotts verbuhlete clienten

Einmahl zu rahte ziehn vnd fragen wie ich wol

Durch leichte schweerigkeit mich drein vernemen sol.

Weil denn herr bräutigam jhr seyd in diesem orden

Mit samt der jungen braut der gluth zu theile worden

So kühlt euch beyde nu mit kühler liebes fluth

Vnd wärmt euch wiederumb bey dieses fewres gluth.

Wärmt euch vnd schürt dis fewr bis daß es gar erkaltet

Verjunget ewren brand bis daß ewr fewr veraltet

Bis 's jhm an holtz gebricht bis daß es gar verlischt

Bis daß es wasser wird vnd euch auffs new' erfrischt.

Kühlt euch bey dieser fluth bis jhr zuletzt erwarmet

Indem sich heisse fluth der kalten gluth erbarmet

Bis sich die fluth in gluth die gluth in fluth verkehrt

Bis sich die gluth durch fluth die fluth durch gluth verzehrt.

Seyd jhr denn selbst ein fewr so brennet was euch kühlet

Bis daß jhr linderung' im wieder kühlen fühlet:

Seyd jhr denn wassers art so leschet ewren brand

So habt jhr wassers krafft nicht übel angewandt:

Seyd jhr denn eine fluth vnd auch ein fewr daneben

Vnd könnet kalt vnd warm von euch auff einmahl geben

So brennet was euch lescht vnd leschet was euch brennt

Was gilt's ob jhr ewr fewr hinfort nicht wasser nennt.