Auff ihre eifersucht.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Zurne nicht betrübtes hertze!

Denn die lebens-volle kertze

Meine liebe brennet noch.

Phyllis mag die hoffnung haben;

Dein verstand und deine gaben

Bleiben doch mein susses joch.

Ist es möglich daß du weinest?

Ist es möglich daß du meynest

Daß ich dich verlassen kan?

Ey so schaue doch von fernen

Auch einmahl bey andern sternen

Dich o sonne selber an.

Dein erhobnes angesichte

Machet allen glantz zu nichte

Der die blinde welt bethört.

Phyllis selbst muß mit betrüben

Sich in deinen mund verlieben

Wenn sie deine lieder hört.

Alle junge schäferinnen

Fliehen mit gedult von hinnen

Wenn sie dich o wunder sehn.

Zephyr steigt aus seinen hölen

Deine brüste zu beseelen

Und vom neuen auffzuwehn.

Venus wird von zorn entzündet;

Weil sie alles an dir findet

Was ihr nur allein gebührt:

Wie solt’ ich denn schönste Nymphe

Dir zu trotz und mir zum schimpffe

Hassen was die götter rührt?

Dencke selbst ich bin getrieben.

Ich will soll und muß dich lieben.

Nichts reist meinen fürsatz ein.

Denn was du einmahl gebohren

Muß geht alles gleich verlohren

Dennoch unvergänglich seyn.