Auff ihre kaltsinnige veränderung. C. E.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Melinde geht dein feur so zeitig schon zu end?

Wie geht diß immer zu? kein funcke soll sich rühren

Du wilt nur schnee und eiß in deinen adern führen

Ists möglich hat das blat so plötzlich sich gewendt?

Doch was verwundr’ ich mich? wenn man die flam̃en trent

So muß nothwendig sich derselben krafft verliehren

Und kan man dieses nicht an deinem hertzen spüren

Das in zertheilter gunst vor mich und jeden brennt?

Noch gleichwohl soll ich dich als eine göttin ehren

Und meine liebes-glut fast täglich neu vermehren

Vergeß ich einen blick so ists nicht recht gethan.

Wie aber reimt sichs wohl: mein gantzes hertz begehren

Und von dem deinen kaum den kleinsten theil gewähren?

O nein! Melinde nein! so geht der tausch nicht an!