Auff ihre schultern

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Ist dieses schnee? Nein nein schnee kan nicht flammen führen.

Ist dieses helffenbein? bein weiß nicht weis zu seyn.

Ist hier ein glatter schwan? mehr als der schwanen schein

Ist weiche woll allhier? Wie kan sich wolle rühren?

Ist alabaster hie? er wächst nicht bey saphiren

Ist hier ein liljen-feld? der acker ist zu rein.

Was bist du endlich doch? weil schnee und helffenbein

Weil alabaster schwan und liljen sich verlieren.

Du schaust nun Lesbie wie mein geringer mund

Vor deine schultern weiß kein rechtes wort zu finden

Doch daß ich nicht zu sehr darf häufen meine sünden

So macht ein kurtzer reim dir mein gemüthe kund:

Muß Atlas und sein hals sich vor dem himmel biegen

So müssen götter nur auf deinen schultern liegen.