Auff Tit. Frauen Anna |Magdalena von Lüttichen Frauen auff Kmelen Nahmens-Tag.

By Heinrich Mühlpfort

Ich wolte wohl was hohes schreiben

Zu ehren diesem edlen Tag

Und meine Sinnen schärffer treiben

Als wie ich sonst zu tichten pflag.

Doch wil mir fast die Krafft gebrechen

Und Phöbus Huld und Gunst absprechen.

Hoch-Edle Frau von Trefflichkeiten

Der höchsten Tugend außgeziert

Wie mag ich Opffer zubereiten

Das meiner Schuldigkeit gebührt?

Ich weiß wohl daß man Heroinen

Nichts schlechtes gab sie zu bedienen.

Zu dem so müssen kluge Geister

Die köstlichsten Lobsprecher seyn.

Apollo selbst der Künste Meister

Schleust die Vernunfft in Schrancken ein

Und saget daß dergleichen Gaben

Auch nicht die Männer-Sinnen haben.

Gewiß es wird der Neid gestehen

Daß ihr Verstand dem Himmel gleicht

Daß ihre Tugend in den Höhen

Viel heller als die Sternen leucht.

Der Rede Liebligkeit und Zierde

Macht Stock und Steinen auch Begierde.

Glantz aller schönen Höfligkeiten

So je die Gratien erdacht

Wie stlmm ich doch nur meine Seiten

Daß sie die außerleßne Pracht

Nach ihrer Würde recht besingeu

Und angenehme Lieder bringen?

Beglückte Frau nicht nur vom Stande

Der die berühmsten Ahnen weiß’t.

Zier in dem gantzen Meißner-Lande

So weit die Elbe diß durchfleust;

Hoch und Wohledel von Geblüte

Doch noch viel edler von Gemühte.

Was sonst den Weibern karg gegeben

Daß Schönheit mit Verstand sich paart

Das siht man hier vollkommen eben

Auch in der schönsten Töchter Art;

Bey denen

Stets um die beste Tugend streiten.

Es satzte Rom viel Sieges-Zeichen

Den hochverdienten Fürsten auff.

Könt’ ich die Krafft und Kunst erreichen

So wolt ich für der Zeiten Lauff

Ein solches Angedencken stifften

Ins künfftige durch meine Schrifften.

Denn Marmorsäulen auffzuführen

Ist über meiner Hände Stärck

Mit Diamanten sie zu zieren

Das ist deß blossen Glückes Werck.

So kan ich auch nicht solche Gaben

In rothes Gold und Silber graben.

Ich will vielmehr durch Stilleschweigen

Als wie man sonst den Göttern pflegt

Die Ehren-Furchten zu bezeugen

Auff einen Wuntsch seyn angeregt.

Der Himmel schencke das Gelücke

Den Seufftzern die ich zu ihm schicke.

Es müß Jhr Außbund aller Frauen

Der beste

Der nur auff Erden ist zu schauen

In ungekränckter Hertzens-Lust.

Jhr Hauß sey frey von Sturm und Wettern;

Und Tugend muß es noch vergöttern.

Der Tag der komme glücklich wieder

Der heut ihr Namens-Fest uns bringt;

So opffert man ihm Klang und Lieder

Die ein ergebnes Hertze singt.

Wohin ihr Fuß nur kommt zu gehen

Da sollen nichts als Rosen stehen.