Auff Tit. Frauen Anna |Magdalena von Lüttichen Frauen auff Kmelen Nahmens-Tag.
Ich wolte wohl was hohes schreiben
Zu ehren diesem edlen Tag
Und meine Sinnen schärffer treiben
Als wie ich sonst zu tichten pflag.
Doch wil mir fast die Krafft gebrechen
Und Phöbus Huld und Gunst absprechen.
Hoch-Edle Frau von Trefflichkeiten
Der höchsten Tugend außgeziert
Wie mag ich Opffer zubereiten
Das meiner Schuldigkeit gebührt?
Ich weiß wohl daß man Heroinen
Nichts schlechtes gab sie zu bedienen.
Zu dem so müssen kluge Geister
Die köstlichsten Lobsprecher seyn.
Apollo selbst der Künste Meister
Schleust die Vernunfft in Schrancken ein
Und saget daß dergleichen Gaben
Auch nicht die Männer-Sinnen haben.
Gewiß es wird der Neid gestehen
Daß ihr Verstand dem Himmel gleicht
Daß ihre Tugend in den Höhen
Viel heller als die Sternen leucht.
Der Rede Liebligkeit und Zierde
Macht Stock und Steinen auch Begierde.
Glantz aller schönen Höfligkeiten
So je die Gratien erdacht
Wie stlmm ich doch nur meine Seiten
Daß sie die außerleßne Pracht
Nach ihrer Würde recht besingeu
Und angenehme Lieder bringen?
Beglückte Frau nicht nur vom Stande
Der die berühmsten Ahnen weiß’t.
Zier in dem gantzen Meißner-Lande
So weit die Elbe diß durchfleust;
Hoch und Wohledel von Geblüte
Doch noch viel edler von Gemühte.
Was sonst den Weibern karg gegeben
Daß Schönheit mit Verstand sich paart
Das siht man hier vollkommen eben
Auch in der schönsten Töchter Art;
Bey denen
Stets um die beste Tugend streiten.
Es satzte Rom viel Sieges-Zeichen
Den hochverdienten Fürsten auff.
Könt’ ich die Krafft und Kunst erreichen
So wolt ich für der Zeiten Lauff
Ein solches Angedencken stifften
Ins künfftige durch meine Schrifften.
Denn Marmorsäulen auffzuführen
Ist über meiner Hände Stärck
Mit Diamanten sie zu zieren
Das ist deß blossen Glückes Werck.
So kan ich auch nicht solche Gaben
In rothes Gold und Silber graben.
Ich will vielmehr durch Stilleschweigen
Als wie man sonst den Göttern pflegt
Die Ehren-Furchten zu bezeugen
Auff einen Wuntsch seyn angeregt.
Der Himmel schencke das Gelücke
Den Seufftzern die ich zu ihm schicke.
Es müß Jhr Außbund aller Frauen
Der beste
Der nur auff Erden ist zu schauen
In ungekränckter Hertzens-Lust.
Jhr Hauß sey frey von Sturm und Wettern;
Und Tugend muß es noch vergöttern.
Der Tag der komme glücklich wieder
Der heut ihr Namens-Fest uns bringt;
So opffert man ihm Klang und Lieder
Die ein ergebnes Hertze singt.
Wohin ihr Fuß nur kommt zu gehen
Da sollen nichts als Rosen stehen.