Auffgelöstes Hochzeit-räthsel Zu ehren Hn. Johann Heinrich Daubingern bräutigam ...

By Johannes Plavius

Ach welch' ein nichtig was macht einen doch zuschaffen!

Eim träumet fort vnd fort vnnd doch meist ohne schlaffen.

O wunder vieles nichts! man weiß nicht wz eim ist

Vnd gleichwohl fühlet man daß 's einem 's hertze frisst.

Es giebet rath vnd that vnd läst sich selbst nicht weisen:

Es machet zart vnd weich; vnd auch zu stahl vnd eysen:

Es wundet ohne wund': es zeichnet ohne mahl:

Es redet ohne zung': es zählet ohne zahl:

Es macht 's gesichte roth; vnd macht daß wir erbleichen:

Es weichet jedermann' vnd niemand wil jhm weichen:

Es macht zu flamm' vnd fewr vnd kömmt aus flamm' vnd fewr:

Es ist mehr als gemein'; vnd gleichwol sehre tewr':

Es leidt vnd duldet viel vnd kan doch wenig leiden:

Es förchtt vnd meidet viel vnd niemandt kan es meiden:

Es frewt sich ohne frewd': es leidet ohne leid:

Es ist nicht ausser zeit vnd dennoch ohne zeit:

Es nimmet einem 's hertz' vnd kan doch hertzen geben:

Es stirbet ohne tod: es lebet ohne leben:

Es brennet ohne fewr: es fewret ohne brand:

Es löset wen es bindt: es bindet ohne band.

Ein solch nichts vnd doch was ist braut vnnd bräutigams plage.

Weiss jemand was es ist ich bitt' jhn das er 's sage.

Was deucht dich doch hievon du grosser kleiner-gott

Wie soll man heissen doch den lebendigen tod?

Ist 's nicht der süsse gifft von deinem pfeil' vnd bogen

Damit du blinder gott die gantze welt betrogen?

Ist 's nicht ein sachtes weh' ist 's nicht ein süsser schmertz'

Aus liebes-augen her geschlichen in das hertz'?

Es ist herr bräutigam das was euch hat gezwungen

Das fewr das in der fluth ein lied euch abgedrungen

Ein lied vom nichts vnd was das euch in euch verletzt

Ein liedt; welchs auff der See ewr halbes hertz' ergötzt.

Das lied hab ich gehört von einer meergöttinnen

Welchs jhr her bräutigam habt pflegen zu beginnen

Ein sehnlich klage-lied so daß das blawe tieff

Mit trübem wiederschall' am vfer wiederrieff:

O süsser hertzen-trost von Amor übergossen

Mit lieblicher gewalt! o glantz in mir verschlossen!

Verschlossen vnd verwahrt; wie kan ich dir entgehn?

Du bist in vnd von mir dich seh' ich vor mir stehn.

Auff diesem höltzinpferd' hab' ich nun weit geritten

Im felde da der weg mit keulen wird durchschnitten

Noch find' ich euch bey mir ewr geist kömmt zu mir her!

Des wassers macht ist groß dis fewres macht noch mehr

Weil denn herr bräutigam die liebe zeit ist kommen

Da solche fewres macht durch fewr euch wird benommen

So wünsch' ich euch ein fewr das euch in dem es brent

All' ewren durst vnd hitz' auffs beste lescht vnd wendt.