Aufmunterung zum Lobe GOTTES, beym Genuß allerley Erstlinge von Früchten.
Da ich anjetzt in diesem Jahre
Der reiffenKirschen Erbsen Bohnen Aepffel Pfirschen Trauben Erstling' esse,
So gieb, O! liebster GOTT, daß ich, mit Danck, ermesse
Die Huld, die ich darin durch Dich aufs Neu erfahre!
Da mein vergnügter Gaum, Zung, Magen und Geblühte,
Erfrischt, getränckt, genährt,
Vergnügt, erquickt, vermehrt,
Gestärckt und rege wird; Auf! auf! o mein Gemühte,
Laß nicht den Leib allein
Dadurch vergnügt, ergetzt,
Erfrischt, getränckt, genähret seyn!
Sey Seele, wenn der Leib der Früchte Zucker spüret,
Doch auch gerühret,
Und dencke doch an Den, durch Dessen weise Macht
Feld-Baum- und Hülsen-Frucht, für dich hervor gebracht,
Gewachsen und gereifft! Durch den der Nahrungs-Safft
Durch den der Wachsthums-Trieb den Bäumen eingesenckt,
Der sie mit Wärme nährt, der sie mit Regen tränckt,
Durch den des Saamens Geist mit so geheimer Krafft
Begabet und versehen! Es hat zu aller Zeit
Die Menschheit eine Art von Danckbarkeit,
Der GOttheit, im Genuß der ersten Frucht, gewiesen.
Durch Opfer haben sie den Geber stets gepriesen:
Die Heyden thaten es. So ist es noch der Brauch
Bey unsern Juden auch.
Bey allen Erstlingen zum Schöpfer sich zu lencken,
Und bey der neuen Gab des Gebers zu gedencken,
Wie! wollen denn die Christen gantz allein,
So unerkänntlich seyn?
Und nicht einmal (der Opfer zu geschweigen)
GoTT ein’ Erkentlichkeit, nur im Gedancken zeigen?
Ach GOTT! du Urquell aller Gaben,
Du Weiser Vater, Du, aus Dessen Allmachts-Hand
So manche Frucht, an welcher wir uns laben,
Uns dargereichet wird, ach! schärffe den Verstand!
Gieb daß in Deinen Wunderwercken
Wir Deine Weisheit, Macht und Vater-Liebe mercken!
Laß uns, so offt wir Erstling' essen,
Doch Dein, o Vater, nicht vergessen!
Laß ein vergnügt GOtt Lob, das wir für Freuden lallen,
Aus Gnaden Dir gefallen!
So wirst Du, HERR, in diesem Leben,
Noch öffters Erstlinge, wo es uns nützlich geben.