Aufmunterung zur Betrachtung.
Wilst du denn, lieber Mensch, der Ueberlegung Kraft,
Die eigentlich der Kern, die nöthigst’ Eigenschaft
Der dir von GOtt geschenckten Seelen,
Mit deinen Sinnen nie vermählen?
Mit GOtt, in den Geschöpfen, nie verbinden?
Verlangest du in GOttes Wercken
Nicht seine weise Macht und Liebe zu bemercken?
Den Schöpfer im Geschöpf zu finden?
Er legt viel tausend Herrlichkeiten,
Viel Millionen Seltenheiten
Auf Erden, in der Luft, und in der Fluth dir vor.
Er giebt dir Nas’ und Zung’ und Hand und Aug’ und Ohr.
Er schenckt dir eine Seel’, und eine Fähigkeit,
Durch hören, riechen, sehn, durch schmecken, und durch
fühlen
Gedancken und Jdeen zu erzielen.
Da nun des Schöpfers Huld so überschwenglich ist,
Und, da das, was dich hier so wol, als dort, vergnüget,
Allein in der Betrachtung lieget;
Wie, daß du gegen dich denn selbst so grausam bist?
Wie, daß du deinen Geist nicht zu den Sinnen fügest,
Und durch dieß holde Band nicht Seel’ und Leib vergnügest?
Bestrebe dich forthin, die Wercke zu betrachten,
Und ihres Schöpfers Macht in ihnen zu erhöhn;
Denn, sonder Dencken sie zu hören und zu sehn;
Heißt Göttlichen Befehl, Natur, und GOtt verachten.