Aus dem frantzösischen. Er vergleichet ihren hund mit der liebe.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Aminthe weist du auch wem Flander ähnlich ist

Und wem er kan verglichen werden?

Beschaue die gestalt betrachte die geberden

Und zeige dann ob du im rathen glücklich bist.

Scheint dir die sache schwer? Eröffne dein verlangen.

Ach ja du giebst dich schon

Da sich das rätzel löst besieget und gefangen.

So wisse dann daß er dem gotte dessen thron

Die grösten dieser welt die stoltzen scepter reichen

Und endlich kurtz gesagt der liebe sey zu gleichen.

Der liebe? sprichst du nein das gleichniß wird nicht glücken

Wie will die liebe sich zu meinem hunde schicken?

Ja schönste glaube nur es schickt sich allzu wohl

Ich sage noch was mehr das dich befremden soll;

Die liebe und dein hund dein hündgen und die liebe

Sind wie man sie auch kehrt ein kuchen und ein ey

Und bleiben einerley

Wenn auch die gantze welt mir hier zuwider schriebe.

Dein Flander lebt mit dir vertraulich und gemein

Bald sucht er deinen schooß bald liegt er dir in armen;

Wo pflegt die liebe wohl sonst lieber zu erwarmen?

Muß eben dieser ort nicht ihre ruhstatt seyn?

Dein hund pflegt öffters sich zum zorne zu bewegen

Doch wie er grimm und neid

Auch auff die feinde speyt

So lässet sich auch leicht das wetter wieder legen.

Kennst du die liebe nicht? Hier ist ihr ebenbild

Auch sie fährt plötzlich auff wird zornig und erhitzet

Doch weil der donner noch aus ihrem munde blitzet

So wird ihr mildes hertz durch güte schon bestillt.

Noch mehr: Womit dein hund kan seinen zierrath weisen

So wird er kümmerlich von deiner hand ernehrt

Und ich befürchte sehr daß er sich gar verzehrt

Wo man ihn künfftig nicht wird lassen besser speisen.

Die liebe findt bey dir auch schlechten unterhalt

Sie hat nicht was sie nehrt noch was ihr wachsthum bringet

Und würde sie nicht noch von blosser hoffnung alt

So hätte sie der tod in der geburt umringet.

Du spielst mit Flandern offt im spielen beist er dich:

Die liebe spielet auch. Doch weil sie lacht und schertzet

So thut sie einen stich

Der folgends lebenslang uns in der seelen schmertzet.

Und strafft man Flandern wohl? man lacht wenn er gebissen

So wenn uns Amor gleich das hertze selbst zerrissen

So will man ihm doch wohl man sieht ihn freundlich an

Ob hätt uns seine lust nichts übels angethan.

Man sucht den hunden bald die grösse zu bemindern

Und setzt den gliedern schon in mutter-leibe ziel.

Wie mühsam bist du nicht die liebe zu verhindern

Wann sie ihr stilles feur in dir gebähren will?

Wär unser Flander groß so würdest du ihn hassen

Itzt aber liebstu ihn. Warum? dieweil er klein.

Auch kleine liebe pflegt erträglich noch zu seyn

So bald sie grösser wird will man sie fahren lassen.

Wie aber? hör ich nicht daß Flander sich beklagt

Er schreyt: Es ist gethan hör auff ich bin verlohren

Unglücklicher poet du hast zuviel gewagt

Daß du der liebe mich zum ebenbild erkohren

Hör auff ich bitte dich du störst das gantze spiel.

Aminthe will durchaus nichts von der liebe wissen;

Solt ich ihr ähnlich seyn? Ach das verrückt mein ziel!

Sie wird mir glaub es nur fort alle gunst verschliessen.

Wie glücklich schien mir nicht mein schlechter hunde-stand!

Ich konte freud und lust vertraute schwestern heissen

Wer aber wird mich nun der grossen noth entreissen

Die deine feder mir hat auff den hals gebannt?

Werd ich mich auff dein wort dann besser nun befinden

Wann mich Aminthens zorn wird heissen von sich gehn

Drum daß ich armer hund den göttern gleich gesehn?

Ach du begehst an mir nur allzu grosse sünden!

Ich bin in dieser welt auff keinen ruhm verpicht

Du kanst dich wann du wilt an tausend andre reiben

Nur bitt ich schone mich ich mag der ehre nicht.

Laß götter götter seyn; ich will ein hund verbleiben.

Ach Flander! solte sie so unbarmhertzig seyn

Dich da du doch vor sie dein vaterland verlassen

Und ihr gefolget bist so unverdient zu hassen

Um gantz geringe schuld? O nein du armer nein!

Aminthe thut es nicht sie kan dich nicht betrüben;

Nimm sie nur wieder ein durch deine schmeicheley

Reib dich an ihre brust sey freundlich und getreu

Sie will daß du sie solt auff solche weise lieben.

Es ist sehr weit gefehlt daß sie dich solte hassen

Weil du ein ebenbild der zarten liebe bist;

Sie wird vielmehr durch dich ihr einen zutritt lassen

Dieweil die liebe dir in allem ähnlich ist.