Aus dem frantzösischen. Er vergleichet ihren hund mit der liebe.
Aminthe weist du auch wem Flander ähnlich ist
Und wem er kan verglichen werden?
Beschaue die gestalt betrachte die geberden
Und zeige dann ob du im rathen glücklich bist.
Scheint dir die sache schwer? Eröffne dein verlangen.
Ach ja du giebst dich schon
Da sich das rätzel löst besieget und gefangen.
So wisse dann daß er dem gotte dessen thron
Die grösten dieser welt die stoltzen scepter reichen
Und endlich kurtz gesagt der liebe sey zu gleichen.
Der liebe? sprichst du nein das gleichniß wird nicht glücken
Wie will die liebe sich zu meinem hunde schicken?
Ja schönste glaube nur es schickt sich allzu wohl
Ich sage noch was mehr das dich befremden soll;
Die liebe und dein hund dein hündgen und die liebe
Sind wie man sie auch kehrt ein kuchen und ein ey
Und bleiben einerley
Wenn auch die gantze welt mir hier zuwider schriebe.
Dein Flander lebt mit dir vertraulich und gemein
Bald sucht er deinen schooß bald liegt er dir in armen;
Wo pflegt die liebe wohl sonst lieber zu erwarmen?
Muß eben dieser ort nicht ihre ruhstatt seyn?
Dein hund pflegt öffters sich zum zorne zu bewegen
Doch wie er grimm und neid
Auch auff die feinde speyt
So lässet sich auch leicht das wetter wieder legen.
Kennst du die liebe nicht? Hier ist ihr ebenbild
Auch sie fährt plötzlich auff wird zornig und erhitzet
Doch weil der donner noch aus ihrem munde blitzet
So wird ihr mildes hertz durch güte schon bestillt.
Noch mehr: Womit dein hund kan seinen zierrath weisen
So wird er kümmerlich von deiner hand ernehrt
Und ich befürchte sehr daß er sich gar verzehrt
Wo man ihn künfftig nicht wird lassen besser speisen.
Die liebe findt bey dir auch schlechten unterhalt
Sie hat nicht was sie nehrt noch was ihr wachsthum bringet
Und würde sie nicht noch von blosser hoffnung alt
So hätte sie der tod in der geburt umringet.
Du spielst mit Flandern offt im spielen beist er dich:
Die liebe spielet auch. Doch weil sie lacht und schertzet
So thut sie einen stich
Der folgends lebenslang uns in der seelen schmertzet.
Und strafft man Flandern wohl? man lacht wenn er gebissen
So wenn uns Amor gleich das hertze selbst zerrissen
So will man ihm doch wohl man sieht ihn freundlich an
Ob hätt uns seine lust nichts übels angethan.
Man sucht den hunden bald die grösse zu bemindern
Und setzt den gliedern schon in mutter-leibe ziel.
Wie mühsam bist du nicht die liebe zu verhindern
Wann sie ihr stilles feur in dir gebähren will?
Wär unser Flander groß so würdest du ihn hassen
Itzt aber liebstu ihn. Warum? dieweil er klein.
Auch kleine liebe pflegt erträglich noch zu seyn
So bald sie grösser wird will man sie fahren lassen.
Wie aber? hör ich nicht daß Flander sich beklagt
Er schreyt: Es ist gethan hör auff ich bin verlohren
Unglücklicher poet du hast zuviel gewagt
Daß du der liebe mich zum ebenbild erkohren
Hör auff ich bitte dich du störst das gantze spiel.
Aminthe will durchaus nichts von der liebe wissen;
Solt ich ihr ähnlich seyn? Ach das verrückt mein ziel!
Sie wird mir glaub es nur fort alle gunst verschliessen.
Wie glücklich schien mir nicht mein schlechter hunde-stand!
Ich konte freud und lust vertraute schwestern heissen
Wer aber wird mich nun der grossen noth entreissen
Die deine feder mir hat auff den hals gebannt?
Werd ich mich auff dein wort dann besser nun befinden
Wann mich Aminthens zorn wird heissen von sich gehn
Drum daß ich armer hund den göttern gleich gesehn?
Ach du begehst an mir nur allzu grosse sünden!
Ich bin in dieser welt auff keinen ruhm verpicht
Du kanst dich wann du wilt an tausend andre reiben
Nur bitt ich schone mich ich mag der ehre nicht.
Laß götter götter seyn; ich will ein hund verbleiben.
Ach Flander! solte sie so unbarmhertzig seyn
Dich da du doch vor sie dein vaterland verlassen
Und ihr gefolget bist so unverdient zu hassen
Um gantz geringe schuld? O nein du armer nein!
Aminthe thut es nicht sie kan dich nicht betrüben;
Nimm sie nur wieder ein durch deine schmeicheley
Reib dich an ihre brust sey freundlich und getreu
Sie will daß du sie solt auff solche weise lieben.
Es ist sehr weit gefehlt daß sie dich solte hassen
Weil du ein ebenbild der zarten liebe bist;
Sie wird vielmehr durch dich ihr einen zutritt lassen
Dieweil die liebe dir in allem ähnlich ist.