Aus dem Franzöischen des berühmten Boilcau. B. N. An den könig.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Jung und behertzter held fürst dessen witz und list

Nicht eine späte frucht des faulen alters ist;

Der nach der götter art auff keinen diener bauet

Allein in allem herrscht und alles selber schauet.

Mein könig und mein herr wofern ich mit bedacht

Bißher für deinen ruhm noch keinen verß gemacht;

So ist es darum nicht als ob ich wie ich solte

Dir den verdienten preiß nicht willig opffern wolte:

Nein; sondern weil ich nicht zum loben tüchtig bin:

Denn meine Muse bebt und mein verwirrter sinn

Erzittert für der last so einer schweren bürde;

Aus furcht im fall ich dich nicht recht besingen würde

Daß ich bey deiner pracht und deiner hoheit schein

Auf deinen lorbeer-krantz nur dürffte flecken streun.

Drum mag ich selber mich mit keinem wahne blenden

Ich messe meinen lauff nach meinen schwachen lenden

Und bin vernünfftiger bey meiner blödigkeit

Als andre die mit schimpff und aus verwegenheit

Durch abgeschmackten rauch dir dein altar entzieren:

Die auf der ehren-bahn wo nutz und geitz sie führen

An deinem nahmen sich fast halb zu tode schreyn

Durch meldung deiner macht dir nur beschwerlich seyn

Und täglich wie du weist mit einer heisern kehlen

Dir dein selbeignes thun und deinen sieg erzehlen.

Der fängt ein schäfer-lied mit stoltzen worten an

Und stellet eingangs gleich sich selber auff die bahn;

Indem er seinen ruhm an jede zeile hänget

Und dein durchlauchtes lob mit narren-dunst vermenget.

Ein ander quält umsonst beym reimen den verstand

Und nimt wohl zwantzig mahl die raspel in die hand

Und endlich sucht er dich o ungemeine sachen!

Am ende des Sonnets der sonne gleich zu machen.

Zwar ihre feder ist vom Helicon veracht:

Die Musen haben längst zur fabel sie gemacht:

Calliope hat nie die stümper angesprochen;

Und Pegasus hat sich für ihnen gar verkrochen.

Jedennoch wenn man sieht mit was für zuversicht

Jhr frecher hochmuth dir Apollens gunst verspricht

So dächte man wohl gar daß sie sein hertz in ketten

Und den geweihten berg zu ihren diensten hätten.

Ja wenn man ihnen glaubt so sind sie in der welt

Vom Phöbus gantz allein für deinen ruhm bestellt

Und dein gepriesner nahm’ in süden west und norden

Ist ihrer meynung nach durch sie unsterblich worden.

Dein nahme welcher doch durch sein belebtes licht

Jhr bäurisches geblüt’ ein wenig auffgericht:

Und der allein gemacht daß ihre kluge grillen

Nicht längst den hohlen bauch der matten würmer füllen.

Denn dieser schützet sie: gleich wie man etwa sieht

Daß sich ein schwacher baum durch stützen auffwerts zieht

Der ohne diese krafft durch die er nun kan steigen

Sich sonsten gantz verschmacht zur erden würde neigen.

Doch alles straff ich nicht und mein vermeßner kiel

Verwirfft nicht daß man dir o held gefallen will.

Von so unzehlichen die deinen nahmen nennen

Kennt die Apollo schon die dich recht loben können.

Und unter dieser zahl die deine thaten preißt

Findt man so wohl Corneill’ als Pelletierens geist.

Das aber kan ich nicht in meinem hertzen leiden

Daß einer der den verß muß nach dem reime schneiden

Sich gantz unnöthig zwingt dir weyrauch aufzustreun.

Wer den August besingt der muß ein Maro seyn.

Und jener held that recht der nicht gestatten wolte

Daß nechst Apellens hand ihn iemand mahlen solte.

Ich demnach der den mund des Phöbus nie geschmeckt

Und von den Musen bloß ein wenig milch geleckt

Denck’ immer daß die zeit mich noch wird klüger machen.

Darum bemüh ich mich nur in geringen sachen:

Und da dein helden-arm für dem die erde bebt

Mit blitzen in der hand recht und gesetz’ erhebt

Und die verstockten weiß mit straffen zu bedräuen

Brauch ich den feder-kiel die laster auszuschreyen;

Klag’ ohne schmeicheley mich selbst am schärffsten an

Und sage dem papier offt was mein hertz gethan.

Daher wenn sich in mir die straff-begierde rühret

Folg’ ich der biene nach die wenn der lentz regieret

Die krafft den blumen stiehlt und honig daraus schafft:

So koch’ aus thorheit ich hingegen wermuth-safft.

Ich wandre alles durch wovon ich nur kan singen

Und halte keinen weg an statt den kiel zu zwingen

Erlaub’ ich ihm vielmehr ich muß es nur gestehn

Bey dieser freyen kunst gerade durchzugehn.

Das allerärgste ist daß ich das maul verbrenne

Und gerne jedes ding bey seinem nahmen nenne:

Das macht daß ihrer viel ein stiller zorn entzündt

Die nemlich aussen schnee von innen kohlen sind:

Aus furcht daß so ein mann den lust und ernst auffwecken

Nicht ihnen mit der zeit die larven gar abdecken

Und nach erlangter macht die sitten umzudrehn

Der warheit allzuweit möcht in das hertze sehn.

Ein so vergifftes volck nimt auch den blossen nahmen

Von einer stachel-schrifft zu einem zwietrachts-saamen

Schleppt jeden der nur lacht zum richter mit gewalt

Und wo nur in der stadt der kleinste ruff erschallt

Daß ein gelehrter kopff sich etwa will bemühen

Jhr heuchlerisches thun in büchern durchzuziehen

So hört man wie die brut auf allen gassen schreyt:

Paris es ist geschehn um ehr und redligkeit!

Ein so abscheulich werck ist nie zuvor erhöret:

Das heisset wider recht und himmel sich empöret.

Allein verstellet euch ihr lügner noch so wol!

Ein kluger weiß ohndem wie viel er glauben soll.

Jhr sucht euch äuserlich mit tugend auszuschmücken

Da euren feigen geist doch stoltz und hoffart drücken.

Eur hertze kennt sich wohl: drum fliehet es das licht

Und ist nicht gerne da wo man die warheit spricht:

Eur hertz das wie es scheint zwar GOttes wort verspeyet

Und dennoch den Tartuff’ und Moliere scheuet.

Doch wo verfall ich hin? mein fehler hengt mir an.

Du siehest grosser held daß ich nicht schmeicheln kan.

Ich mag wie andre nicht aus zwergen grosse sachen

Aus hasen Hercules aus narren engel machen.

Ich lauffe keinem nach und meine flamme brennt

Für keinen Jupiter der nicht die tugend kennt.

Man wird mich niemals sehn auch gar in solchen dingen

Die deinen ruhm angehn sinn und gedancken zwingen.

Und wie gefährlich auch mir deine macht kan seyn;

So solte stimmte nicht das hertze mit mir ein

Mir dennoch weder gut noch hoffnung noch behagen

Dir zu gefallen auch nur einen verß abjagen.

Alleine wenn ich seh wie mühsam sich dein geist

In mehrung deines reichs und deiner macht erweist;

An statt daß mancher fürst den schweiß und arbeit schrecket

Den halb verfaulten fuß nicht aus dem lande strecket:

Ja wenn ich ferner schau wie dein gemeßner rath

Durch süssen überfluß das volck bereichert hat;

Wie Tag’ und Tiber sich zu deinen füssen bücken;

Die flotte sonder furcht ins freye meer kan rücken;

Und dein geübtes heer das deinen großmuth liebt

Dem adler seine krafft und stärcke wiedergiebt:

Wie Franckreich unter dir dem glücke selbst befiehlet:

Wie deine krieges-macht zur see den meister spielet:

Und endlich wie man gold auch wider fluth und wind

An örtern wo die sonn es selber bildet findt;

So frage ich nicht erst was saget Phöbus oben:

Denn alles brennt in mir und hebt dich an zu loben.

Jedoch den augenblick springt die vernunfft herbey

Die unterbricht den lauff der schönen phantasey

Und läst mich ärmsten sehn wie sehr ich mich vergangen

Daß ich dich ohne krafft zu singen angefangen.

Alsbald entsetz’ ich mich und mein erschrockner kiel

Steckt bey so schwerer last ihm ein gewisses ziel

Und will nicht weiter gehn. Drum schließ ich meine reimen

Und wie ein schiff entweicht wenn meer und wellen schäumen

So seh’ ich auch nicht an mein könig wo ich bin

Entreisse der gefahr und flieh zum ufer hin.