Aus dem Franzöischen des berühmten Boilcau. B. N. An den könig.
Jung und behertzter held fürst dessen witz und list
Nicht eine späte frucht des faulen alters ist;
Der nach der götter art auff keinen diener bauet
Allein in allem herrscht und alles selber schauet.
Mein könig und mein herr wofern ich mit bedacht
Bißher für deinen ruhm noch keinen verß gemacht;
So ist es darum nicht als ob ich wie ich solte
Dir den verdienten preiß nicht willig opffern wolte:
Nein; sondern weil ich nicht zum loben tüchtig bin:
Denn meine Muse bebt und mein verwirrter sinn
Erzittert für der last so einer schweren bürde;
Aus furcht im fall ich dich nicht recht besingen würde
Daß ich bey deiner pracht und deiner hoheit schein
Auf deinen lorbeer-krantz nur dürffte flecken streun.
Drum mag ich selber mich mit keinem wahne blenden
Ich messe meinen lauff nach meinen schwachen lenden
Und bin vernünfftiger bey meiner blödigkeit
Als andre die mit schimpff und aus verwegenheit
Durch abgeschmackten rauch dir dein altar entzieren:
Die auf der ehren-bahn wo nutz und geitz sie führen
An deinem nahmen sich fast halb zu tode schreyn
Durch meldung deiner macht dir nur beschwerlich seyn
Und täglich wie du weist mit einer heisern kehlen
Dir dein selbeignes thun und deinen sieg erzehlen.
Der fängt ein schäfer-lied mit stoltzen worten an
Und stellet eingangs gleich sich selber auff die bahn;
Indem er seinen ruhm an jede zeile hänget
Und dein durchlauchtes lob mit narren-dunst vermenget.
Ein ander quält umsonst beym reimen den verstand
Und nimt wohl zwantzig mahl die raspel in die hand
Und endlich sucht er dich o ungemeine sachen!
Am ende des Sonnets der sonne gleich zu machen.
Zwar ihre feder ist vom Helicon veracht:
Die Musen haben längst zur fabel sie gemacht:
Calliope hat nie die stümper angesprochen;
Und Pegasus hat sich für ihnen gar verkrochen.
Jedennoch wenn man sieht mit was für zuversicht
Jhr frecher hochmuth dir Apollens gunst verspricht
So dächte man wohl gar daß sie sein hertz in ketten
Und den geweihten berg zu ihren diensten hätten.
Ja wenn man ihnen glaubt so sind sie in der welt
Vom Phöbus gantz allein für deinen ruhm bestellt
Und dein gepriesner nahm’ in süden west und norden
Ist ihrer meynung nach durch sie unsterblich worden.
Dein nahme welcher doch durch sein belebtes licht
Jhr bäurisches geblüt’ ein wenig auffgericht:
Und der allein gemacht daß ihre kluge grillen
Nicht längst den hohlen bauch der matten würmer füllen.
Denn dieser schützet sie: gleich wie man etwa sieht
Daß sich ein schwacher baum durch stützen auffwerts zieht
Der ohne diese krafft durch die er nun kan steigen
Sich sonsten gantz verschmacht zur erden würde neigen.
Doch alles straff ich nicht und mein vermeßner kiel
Verwirfft nicht daß man dir o held gefallen will.
Von so unzehlichen die deinen nahmen nennen
Kennt die Apollo schon die dich recht loben können.
Und unter dieser zahl die deine thaten preißt
Findt man so wohl Corneill’ als Pelletierens geist.
Das aber kan ich nicht in meinem hertzen leiden
Daß einer der den verß muß nach dem reime schneiden
Sich gantz unnöthig zwingt dir weyrauch aufzustreun.
Wer den August besingt der muß ein Maro seyn.
Und jener held that recht der nicht gestatten wolte
Daß nechst Apellens hand ihn iemand mahlen solte.
Ich demnach der den mund des Phöbus nie geschmeckt
Und von den Musen bloß ein wenig milch geleckt
Denck’ immer daß die zeit mich noch wird klüger machen.
Darum bemüh ich mich nur in geringen sachen:
Und da dein helden-arm für dem die erde bebt
Mit blitzen in der hand recht und gesetz’ erhebt
Und die verstockten weiß mit straffen zu bedräuen
Brauch ich den feder-kiel die laster auszuschreyen;
Klag’ ohne schmeicheley mich selbst am schärffsten an
Und sage dem papier offt was mein hertz gethan.
Daher wenn sich in mir die straff-begierde rühret
Folg’ ich der biene nach die wenn der lentz regieret
Die krafft den blumen stiehlt und honig daraus schafft:
So koch’ aus thorheit ich hingegen wermuth-safft.
Ich wandre alles durch wovon ich nur kan singen
Und halte keinen weg an statt den kiel zu zwingen
Erlaub’ ich ihm vielmehr ich muß es nur gestehn
Bey dieser freyen kunst gerade durchzugehn.
Das allerärgste ist daß ich das maul verbrenne
Und gerne jedes ding bey seinem nahmen nenne:
Das macht daß ihrer viel ein stiller zorn entzündt
Die nemlich aussen schnee von innen kohlen sind:
Aus furcht daß so ein mann den lust und ernst auffwecken
Nicht ihnen mit der zeit die larven gar abdecken
Und nach erlangter macht die sitten umzudrehn
Der warheit allzuweit möcht in das hertze sehn.
Ein so vergifftes volck nimt auch den blossen nahmen
Von einer stachel-schrifft zu einem zwietrachts-saamen
Schleppt jeden der nur lacht zum richter mit gewalt
Und wo nur in der stadt der kleinste ruff erschallt
Daß ein gelehrter kopff sich etwa will bemühen
Jhr heuchlerisches thun in büchern durchzuziehen
So hört man wie die brut auf allen gassen schreyt:
Paris es ist geschehn um ehr und redligkeit!
Ein so abscheulich werck ist nie zuvor erhöret:
Das heisset wider recht und himmel sich empöret.
Allein verstellet euch ihr lügner noch so wol!
Ein kluger weiß ohndem wie viel er glauben soll.
Jhr sucht euch äuserlich mit tugend auszuschmücken
Da euren feigen geist doch stoltz und hoffart drücken.
Eur hertze kennt sich wohl: drum fliehet es das licht
Und ist nicht gerne da wo man die warheit spricht:
Eur hertz das wie es scheint zwar GOttes wort verspeyet
Und dennoch den Tartuff’ und Moliere scheuet.
Doch wo verfall ich hin? mein fehler hengt mir an.
Du siehest grosser held daß ich nicht schmeicheln kan.
Ich mag wie andre nicht aus zwergen grosse sachen
Aus hasen Hercules aus narren engel machen.
Ich lauffe keinem nach und meine flamme brennt
Für keinen Jupiter der nicht die tugend kennt.
Man wird mich niemals sehn auch gar in solchen dingen
Die deinen ruhm angehn sinn und gedancken zwingen.
Und wie gefährlich auch mir deine macht kan seyn;
So solte stimmte nicht das hertze mit mir ein
Mir dennoch weder gut noch hoffnung noch behagen
Dir zu gefallen auch nur einen verß abjagen.
Alleine wenn ich seh wie mühsam sich dein geist
In mehrung deines reichs und deiner macht erweist;
An statt daß mancher fürst den schweiß und arbeit schrecket
Den halb verfaulten fuß nicht aus dem lande strecket:
Ja wenn ich ferner schau wie dein gemeßner rath
Durch süssen überfluß das volck bereichert hat;
Wie Tag’ und Tiber sich zu deinen füssen bücken;
Die flotte sonder furcht ins freye meer kan rücken;
Und dein geübtes heer das deinen großmuth liebt
Dem adler seine krafft und stärcke wiedergiebt:
Wie Franckreich unter dir dem glücke selbst befiehlet:
Wie deine krieges-macht zur see den meister spielet:
Und endlich wie man gold auch wider fluth und wind
An örtern wo die sonn es selber bildet findt;
So frage ich nicht erst was saget Phöbus oben:
Denn alles brennt in mir und hebt dich an zu loben.
Jedoch den augenblick springt die vernunfft herbey
Die unterbricht den lauff der schönen phantasey
Und läst mich ärmsten sehn wie sehr ich mich vergangen
Daß ich dich ohne krafft zu singen angefangen.
Alsbald entsetz’ ich mich und mein erschrockner kiel
Steckt bey so schwerer last ihm ein gewisses ziel
Und will nicht weiter gehn. Drum schließ ich meine reimen
Und wie ein schiff entweicht wenn meer und wellen schäumen
So seh’ ich auch nicht an mein könig wo ich bin
Entreisse der gefahr und flieh zum ufer hin.