Aus dem lob-gedichte Friedrich Wilhelms des Großen Chur-Fürstens zu Brandenburg....

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Du aber Friederich mein ältst- und theurster sohn

Du erbe meines reichs nim ein den vater-thron

Sey freudig und getrost und laß vor nichts dir grauen:

So schwer des zepters hefft auch immer anzuschauen.

Ich lasse dir viel land; doch auch viel fähigkeit

Ich kenne deinen muth zum frieden und zum streit.

Die thaten meines lauffs kan zwar kein jahrbuch faßen;

Doch hab ich viel noch viel zu thun dir hinterlassen.

Die grösse hat nechst GOtt dein Brandenburg von mir;

Doch die glückseeligkeit erwartet es von dir.

Du bist der eintzige den ich mir kan erkiesen

Von der verstorbenen Oranischen Luysen.

Doch lebt von dem geblüt ein Wilhelm noch der welt

Der mit dir sein geschlecht und meinen ruhm erhält.

Es werden (wo mein tod vermag zu prophezeyen)

Vor euch sich könige der grösten reiche scheuen.

Er nimt (ich seh’ es schon) sein königs-erbtheil ein

Und du wirst ihm als freund hierinn behülflich seyn.

Er wird nach dem gesetz ein frevel-kind verjagen

Und du wirst unterdeß den bunds-genossen schlagen.

Der neid hat euch bißher verächtlich angesehn

Nun aber wird euch GOtt selbst über ihn erhöhn.

Jhr werdet beyde seyn die Streitbaren und Dritten;

Du Friederich bey uns er Wilhelm bey den Britten;

Du in dem Römschen reich er aber über meer

Und beydes wird bestehn durch euer krieges-heer.

Jhr habt euch beyde zwar getheilt in meinen nahmen;

Doch werdt ihr ungetheilt beschützen euren saamen.

Ein blut ein muth ein hertz wird schrecken euren seind

Und wenn ihr euch und mich also in euch vereint

Wird Fridrich Wilhelms geist (der himmel woll’ es geben!)

In euren tugenden und nahmen ewig leben.