Aus dem lob-gedichte Friedrich Wilhelms des Großen Chur-Fürstens zu Brandenburg....
Du aber Friederich mein ältst- und theurster sohn
Du erbe meines reichs nim ein den vater-thron
Sey freudig und getrost und laß vor nichts dir grauen:
So schwer des zepters hefft auch immer anzuschauen.
Ich lasse dir viel land; doch auch viel fähigkeit
Ich kenne deinen muth zum frieden und zum streit.
Die thaten meines lauffs kan zwar kein jahrbuch faßen;
Doch hab ich viel noch viel zu thun dir hinterlassen.
Die grösse hat nechst GOtt dein Brandenburg von mir;
Doch die glückseeligkeit erwartet es von dir.
Du bist der eintzige den ich mir kan erkiesen
Von der verstorbenen Oranischen Luysen.
Doch lebt von dem geblüt ein Wilhelm noch der welt
Der mit dir sein geschlecht und meinen ruhm erhält.
Es werden (wo mein tod vermag zu prophezeyen)
Vor euch sich könige der grösten reiche scheuen.
Er nimt (ich seh’ es schon) sein königs-erbtheil ein
Und du wirst ihm als freund hierinn behülflich seyn.
Er wird nach dem gesetz ein frevel-kind verjagen
Und du wirst unterdeß den bunds-genossen schlagen.
Der neid hat euch bißher verächtlich angesehn
Nun aber wird euch GOtt selbst über ihn erhöhn.
Jhr werdet beyde seyn die Streitbaren und Dritten;
Du Friederich bey uns er Wilhelm bey den Britten;
Du in dem Römschen reich er aber über meer
Und beydes wird bestehn durch euer krieges-heer.
Jhr habt euch beyde zwar getheilt in meinen nahmen;
Doch werdt ihr ungetheilt beschützen euren saamen.
Ein blut ein muth ein hertz wird schrecken euren seind
Und wenn ihr euch und mich also in euch vereint
Wird Fridrich Wilhelms geist (der himmel woll’ es geben!)
In euren tugenden und nahmen ewig leben.