Aus dem Mansardenfenster

By Paul Heyse

Written 1872-01-01 - 1872-01-01

Schornsteine, Dächer weit und breit,

Trostlose Ziegeleinsamkeit;

Ein Kater, der auf Spatzen jagt,

Kein grüner Halm – Gott sei's geklagt.

Kein Menschenauge blickt herein,

Kein lampenschimmernd Fensterlein.

Ich bin um jeden Rauch vergnügt,

Der kräuselnd einem Schlot entfliegt.

Hoch ist's; doch morgen, sprach der Wirt,

Wenn Nummer siebzehn reisen wird – –

Da sieh! was blitzt vom Süden her?

Ihr Götter! mein geliebtes Meer!

Der Fund hat mich so froh erschreckt,

Als hätt' ich einen Schatz entdeckt.

Nun für den schönsten Saal im Haus

Tauscht' ich mein Kämmerlein nicht aus.

Und dort der Himmel, Stern an Stern,

Die niedre Welt wie stumm und fern –

Ach, nur ein Blick ins Ew'ge weiht

Die ganze arme Menschlichkeit!