Aus dem Scaliger.

By Heinrich Mühlpfort

Jhr Honig-Macherinnen

Und Blumen Samlerinnen

Und Thau Einleserinnen

Die ihr euch last gelüsten

Von Hyblens süssen Brüsten

Das Balsam-Kraut zu rauben

Die ihr

Und gelbe Saffran Gaben

Jm Frühling denckt zu haben

Sucht ihr denn bunte Rosen

Violen und Zeitlosen?

Es lachet euch zum Ruhme

Die Lilg’ und Ringelblume

Und andre Lentzen Bilder

Die Venus im Gefilder

in einem Kreiß geschlossen

Und fruchtbar hat begossen

Was wolt ihr lange summen

Und in Einöden brummen?

Es möcht euch zarte Kleinen

Ein rauher Blick bescheinen

Und

In Wüsteneyen blasen.

Seht ihr das weisse Pflaster

Des Halses Alabaster

Die Gläser-reine Hügel;

Hier stellet eur Geflügel.

Schaut an der Rose Schimmer

Wie sie besafftet immer

In hellen Flammen gläntzet

und doppelt schön bekräntzet.

Die funckelnden Corallen

Der schwesterlichen Ballen

Und Purpur-rothen Klippen

Der süß-geschwollnen Lippen.

Hier sauget raubt und klaubet.

Sonst wer den Honig raubet

Und diesen Fluß will lecken

den wird ein Gifft anstecken.

Ein Gifft das mich verführet

Das mir den Tod gebieret

Da ich noch nichts gespüret

Und auch noch nichts berühret.

Wie wird es dem ergehen

Der sich will unterstehen

Zu küssen ihre Höhen?