Aus des Hugonis gottseeligen Begierden Desiderium V.
So ist Vergessenheit im Himmel auch zu finden
Welch Ganymedes hat den Schlaf-Trunck einge-
Wie daß die Götter nicht mehr unsre Werck’ ergründen
Hat denn die Himmlischen der Lethe-Fluß getränckt.
Vergist es oder scheints mein Licht nur zu vergessen
Wenn es in Zweiffel zeucht das Werck so es gemacht.
Ists! so entdeck ichs bald! wo nicht wie zu ermessen
Aus einem Erdenkloß bin ich von dir erdacht.
Und fragstu wo? der Ort ist kundbar aller Enden
Stund nicht ein Garten da wo unser Anherr schlief
Pflag nicht ein klarer Bronn sein Silber auszusenden
Das von vier Röhren starck durch Blum und Kräuterlief.
Begehrstu auch die Zeit? es war nach wenig Tagen
Als mit des Meeres Tamm die Erde sich geschützt.
Was mehr du magst darumb nur die Geschichte fragen
Es war der Wunder Kloß roth als mit Blut bespritzt.
Du hast drey Finger Sand darzu noch untermenget
Diß war der erste Zeugk aus dem mein Cörper stieg
So daß an der Geburt mein Ausgang gleichfals hanget.
Der ich aus Staube kam im Staube wieder lig.
Ein Töpffer wenn er Tohn auf Samos Ackern siehet
So führt er ein Gefäß aus leichter Erden auf
Und ob er Anfangs zwar mit Graben sich bemühet
Biß daß die Erde reich wird durch des Wassers Lauf
So drehet er hernach die niemals stille Scheibe
Biß daß ein grosser Krug wächst unter seiner Hand
Er wächst doch daß er kaum dieselbe Stunde bleibe
Dann brichts und wird wie vor ein wenig Koth und Sand.
Auf wenig besserm Grund steht mein gebrechlich Leben
Ein leichter Schatten wird die letzten Tag umbziehn
Warumb da vor sich selbst die Jahre bald erheben
Will denn die Zeit so schnell mit ihren Pferden fliehn.
Mein Staub ist all zu sehr geneiget zum Verderben
Mein Leben wär es gleich nicht drücket da verschwindt
Daß von Crystallen nicht die dort den Himmel färben
Die Glieder mir gemacht und angesetzet sind.
Ach daß ich doch nicht bin als wie die lichten Sterne
Die Gott geschaffen hat aus Spiegel-heller Fluth
Mein Leben englisch ist und von dem Cörper ferne
Wie in Elysien der heilgen Seelen Glut
Ich hoff ein englisch Ziel von gar viel hundert Jahren
Und lauter Himmels-Jahre und Sternen-gleiche Tag
Ach daß das Schuppenvolck der stummen Wasser-Schaaren
Von einem längerm Raum und Leben sagen mag.
Die Vögel kommen auch aus angenehmern Wiegen
Vom Wasser haben sie ihr weiches Feder-Kleid
Ach könte Demant sich in meine Glieder fügen
Die Nerven strotzten mir als wie die ährne Zeit.
Jhr Schwestern Seythinen seyd seeliger zu preisen
Weil euch die Poesie von Ertze macht die Hand
Und euren gantzen Leib von hartem Stahl und Eisen
Der nicht verwundsam ist als an des Knöchels Rand.
Zwar aber nehm ich für? verdamm’ ich meine Hütten?
Und den elenden Leib von schlechtem Leim gebaut.
Den Meister kans Gefäß mit Schimpfe nie beschütten
Ich weiß auch daß ihm nicht vor seinem Wercke graut.