Aus des Hugonis gottseeligen Begierden Desiderium V.

By Heinrich Mühlpfort

So ist Vergessenheit im Himmel auch zu finden

Welch Ganymedes hat den Schlaf-Trunck einge-

Wie daß die Götter nicht mehr unsre Werck’ ergründen

Hat denn die Himmlischen der Lethe-Fluß getränckt.

Vergist es oder scheints mein Licht nur zu vergessen

Wenn es in Zweiffel zeucht das Werck so es gemacht.

Ists! so entdeck ichs bald! wo nicht wie zu ermessen

Aus einem Erdenkloß bin ich von dir erdacht.

Und fragstu wo? der Ort ist kundbar aller Enden

Stund nicht ein Garten da wo unser Anherr schlief

Pflag nicht ein klarer Bronn sein Silber auszusenden

Das von vier Röhren starck durch Blum und Kräuterlief.

Begehrstu auch die Zeit? es war nach wenig Tagen

Als mit des Meeres Tamm die Erde sich geschützt.

Was mehr du magst darumb nur die Geschichte fragen

Es war der Wunder Kloß roth als mit Blut bespritzt.

Du hast drey Finger Sand darzu noch untermenget

Diß war der erste Zeugk aus dem mein Cörper stieg

So daß an der Geburt mein Ausgang gleichfals hanget.

Der ich aus Staube kam im Staube wieder lig.

Ein Töpffer wenn er Tohn auf Samos Ackern siehet

So führt er ein Gefäß aus leichter Erden auf

Und ob er Anfangs zwar mit Graben sich bemühet

Biß daß die Erde reich wird durch des Wassers Lauf

So drehet er hernach die niemals stille Scheibe

Biß daß ein grosser Krug wächst unter seiner Hand

Er wächst doch daß er kaum dieselbe Stunde bleibe

Dann brichts und wird wie vor ein wenig Koth und Sand.

Auf wenig besserm Grund steht mein gebrechlich Leben

Ein leichter Schatten wird die letzten Tag umbziehn

Warumb da vor sich selbst die Jahre bald erheben

Will denn die Zeit so schnell mit ihren Pferden fliehn.

Mein Staub ist all zu sehr geneiget zum Verderben

Mein Leben wär es gleich nicht drücket da verschwindt

Daß von Crystallen nicht die dort den Himmel färben

Die Glieder mir gemacht und angesetzet sind.

Ach daß ich doch nicht bin als wie die lichten Sterne

Die Gott geschaffen hat aus Spiegel-heller Fluth

Mein Leben englisch ist und von dem Cörper ferne

Wie in Elysien der heilgen Seelen Glut

Ich hoff ein englisch Ziel von gar viel hundert Jahren

Und lauter Himmels-Jahre und Sternen-gleiche Tag

Ach daß das Schuppenvolck der stummen Wasser-Schaaren

Von einem längerm Raum und Leben sagen mag.

Die Vögel kommen auch aus angenehmern Wiegen

Vom Wasser haben sie ihr weiches Feder-Kleid

Ach könte Demant sich in meine Glieder fügen

Die Nerven strotzten mir als wie die ährne Zeit.

Jhr Schwestern Seythinen seyd seeliger zu preisen

Weil euch die Poesie von Ertze macht die Hand

Und euren gantzen Leib von hartem Stahl und Eisen

Der nicht verwundsam ist als an des Knöchels Rand.

Zwar aber nehm ich für? verdamm’ ich meine Hütten?

Und den elenden Leib von schlechtem Leim gebaut.

Den Meister kans Gefäß mit Schimpfe nie beschütten

Ich weiß auch daß ihm nicht vor seinem Wercke graut.