B egräbniß- G edichte. Trauer-ode Bey gehaltener leichen-rede Ulricä Eleonorä, K...
Jhr Gothen-kinder! weinet blut,
Last eurer mutter tod euch recht zu hertzen gehen,
Die trauer-fackel schlägt um cronen eine glut,
Daß scepter, helm und thron in voller flamme stehen:
Es wird der Schwedsche purpur bleich:
Es zittert und erstaunt das welt-geprießne Norden:
Sein licht ist schwartzen nächten gleich,
Weil ihm die Sonne selbst so bald verfinstert worden.
Kaum war der Pindus hier bemüht,
Das frohe jubel-jahr in Ost und West zu senden;
Nun giebt der harffen-klang ein traurig klage-lied,
Es stirbt die Königin der Schweden, Gothen, Wenden,
Wofern ihr nur nicht tieger seyd,
Müst ihr bey solchem fall dem Löwen helffen klagen;
Die reiser trifft zugleich das leyd,
Wenn blitz und donner-keil nach hohen cedern schlagen.
Es fällt ins grab die marmel-brust,
So reiner gottesfurcht ist ein altar gewesen,
Jhr andacht-volles hertz hat sie mit tausend lust
Dem himmel noch allhier zum opffer auserlesen:
Jhr beten war gleich einer glut,
Und kont’ aus heissem trieb bis an die wolcken steigen;
Drum wird nach vieler jahre flut
Auch noch die fromme welt vor ihr die häupter neigen.
Hat iemals klugheit und verstand
Als weise seide sich um cronen-gold gewunden,
So wurde dieser schmuck, der seelen perlen-band,
Bey dieser Königin in schönster pracht gefunden,
Und weil ihr geist recht himmlisch war,
Ließ sie, nach sternen art, bedrängten heyl geniessen,
Denn kön’ge stellen berge dar,
Wovon genad und hülff als reiche ströme fliessen.
Jtzt, leyder! bricht ihr thron entzwey,
Ach daß den scepter auch, wurm, zeit und moder fressen;
Doch, Schweden! fasse dich, und dencke diß dabey:
Daß deine Königin noch nie so hoch gesessen,
Weil sie vier theure printzen schon
Vor sich vorangeschickt aus diesem welt-getümmel;
Sind auch vier cronen nun ihr lohn;
Denn dreye trug sie hier, die vierdte giebt der himmel.
Du aber, Nordens großes Licht!
Du Schwedscher Gideon! regiere noch viel jahre,
Daß, wenn dein Jsrael vor land und glauben ficht,
Sich öl und palmen-zweig mit ihren waffen paare;
Wann dann der tapffre CAROL fiegt,
Wird GOtt sein volck im schoos, ihn auf den händen tragen,
Es muß ohndem, wenn Schweden kriegt,
Der winter übern Belt von eiße brücken schlagen.