B. N.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Florette was umflort dein himmlisch angesicht?

Kan auch ein blitz auß lichten strahlen schiessen?

Läst jaspis und saphier auch krüben regen fliessen?

Schont denn die sinsterniß der sonnen nicht

Und zeigen die entflammte kertzen

Daß nichts als nebel und comet

Um deinen liebes-himmel steht

Und nach entbrandter glut stets donnerkeilen schertzen?

So ist es: aber ach! was brauchstu doch für macht

Mich schwachen sclaven völlig zu besiegen?

Sprich nur so will ich dir zu deinen füssen liegen

Die wunder und natur zu marmel macht.

Ich will die schuld mit thränen büssen

Als zeugen meiner liebes-pein

Und solte dieß zu wenig seyn

So soll mein warmes blut zu deinen fersen fliessen.

Ich läugne werthe nicht daß Myrto fehlen kan;

Der fall ist mir als menschen angebohren

Du bist als engel mir zum richter außerkohren

Drum nehm ich mit gedult die martern an.

Bestraffe nur mein bittres leiden

Durch allzu heißen eyfer nicht;

Denn was mir noch das hertze bricht

Ist daß ich armer soll von meiner seelen scheiden.

Florette laß dir doch den schmertz zu hertzen gehn;

Ein treuer knecht kan Fürsten ja bewegen;

Der himmel selber muß die ruthe niederlegen

Wann wir vor ihm in heißer andacht stehn.

Ich falle dir zu deinen füssen

Mein hertze brennt dir für und für

Warum wiltu denn länger mir

Vor einen apfel-griff dein Paradieß verschliessen?

Verzeihe schönstes bild ich rede fast zu viel:

Ein reiner mund kan alle fehler decken;

Der menschen liebe kan die götter nicht beflecken

Man fällt nicht wann man gleich hier fallen will.

Was hab ich armer denn entzieret

Indem ich deine liljen-brust

Vor zucker-süßer liebes-lust

Durch einen feuchten kuß auf erden angerühret?

Wiltu der tugend nach ein rechter Engel seyn

So mustu auch was menschlich ist verdammen:

Den schön und grausam seyn schickt übel sich zusam̃en;

Ein nebel reißt der sonnen purpur ein;

Und deiner blitze liebes-wesen

Das aus den lichten augen fährt

Ist weiter keiner wunder werth

Dafern du dir den zorn zum bruder außerlesen.

Nun ach! Florette nim die demuth wieder an

Empfange mich mit gnaden-vollen armen

Bestrahle deinen knecht durch quellendes erbarmen

Der ohne deine gunst nicht leben kan;

Sprich daß dein himmel nach dem krachen

Mir wieder voller rosen steht

So muß noch eh der tag vergeht

Die sonne meiner lust mit frischer anmuth lachen.