B. N.
Florette was umflort dein himmlisch angesicht?
Kan auch ein blitz auß lichten strahlen schiessen?
Läst jaspis und saphier auch krüben regen fliessen?
Schont denn die sinsterniß der sonnen nicht
Und zeigen die entflammte kertzen
Daß nichts als nebel und comet
Um deinen liebes-himmel steht
Und nach entbrandter glut stets donnerkeilen schertzen?
So ist es: aber ach! was brauchstu doch für macht
Mich schwachen sclaven völlig zu besiegen?
Sprich nur so will ich dir zu deinen füssen liegen
Die wunder und natur zu marmel macht.
Ich will die schuld mit thränen büssen
Als zeugen meiner liebes-pein
Und solte dieß zu wenig seyn
So soll mein warmes blut zu deinen fersen fliessen.
Ich läugne werthe nicht daß Myrto fehlen kan;
Der fall ist mir als menschen angebohren
Du bist als engel mir zum richter außerkohren
Drum nehm ich mit gedult die martern an.
Bestraffe nur mein bittres leiden
Durch allzu heißen eyfer nicht;
Denn was mir noch das hertze bricht
Ist daß ich armer soll von meiner seelen scheiden.
Florette laß dir doch den schmertz zu hertzen gehn;
Ein treuer knecht kan Fürsten ja bewegen;
Der himmel selber muß die ruthe niederlegen
Wann wir vor ihm in heißer andacht stehn.
Ich falle dir zu deinen füssen
Mein hertze brennt dir für und für
Warum wiltu denn länger mir
Vor einen apfel-griff dein Paradieß verschliessen?
Verzeihe schönstes bild ich rede fast zu viel:
Ein reiner mund kan alle fehler decken;
Der menschen liebe kan die götter nicht beflecken
Man fällt nicht wann man gleich hier fallen will.
Was hab ich armer denn entzieret
Indem ich deine liljen-brust
Vor zucker-süßer liebes-lust
Durch einen feuchten kuß auf erden angerühret?
Wiltu der tugend nach ein rechter Engel seyn
So mustu auch was menschlich ist verdammen:
Den schön und grausam seyn schickt übel sich zusam̃en;
Ein nebel reißt der sonnen purpur ein;
Und deiner blitze liebes-wesen
Das aus den lichten augen fährt
Ist weiter keiner wunder werth
Dafern du dir den zorn zum bruder außerlesen.
Nun ach! Florette nim die demuth wieder an
Empfange mich mit gnaden-vollen armen
Bestrahle deinen knecht durch quellendes erbarmen
Der ohne deine gunst nicht leben kan;
Sprich daß dein himmel nach dem krachen
Mir wieder voller rosen steht
So muß noch eh der tag vergeht
Die sonne meiner lust mit frischer anmuth lachen.