Bei Nacht

By Paul Heyse

Written 1872-01-01 - 1872-01-01

Rausche, Brunnen, rausche du,

Singe mir das Herz in Ruh!

Könntest du die Flammen kühlen

In der Nacht, der sommerschwülen,

Mir im Nu

Aus dem Blut das Fieber spülen!

Rausche, Brunnen, rausche du!

Was ich sinne, was ich tu',

Wie die Stunden leer sich dehnen,

Zuckt und zehrt in mir das Sehnen

Immerzu –

Öl ins Feuer sind die Tränen.

Jetzt wohl aus dem kleinen Schuh

Schlüpft ihr Fuß und geht zur Ruh'.

Und nun liegt sie wach im Bette:

„Ach, daß ich ihn wiederhätte!“ –

Herz, und du

Zerrst dich wund an deiner Kette!