Bei Uebersendung eines Paars Filet-ManschettenFußnoten

By Leopold Friedrich Günther von Goeckingk

Written 1784-01-01 - 1784-01-01

Horchend lauscht' ich manche Nacht,

Ob sich Anne nicht mehr rühre?

Hurtig war ich auf, und sacht

Trippelt' ich zur Kammerthüre,

Saß bei meines Lämpchens Schein

Ganze Nächte, ganz allein.

Nicht für einer Fürstin Pracht

Hätt' ich sonst, im öden Zimmer

Ganz allein, nur Eine Nacht

Selbst bei tausend Kerzen Schimmer

Gegen Schrecken mich gewehrt:

Was die Liebe doch nicht lehrt!

Schnarchend lag Spadille da

Lang und breit auf meinem Schooße,

Und ermuntert' er sich ja,

Ha! was macht' er dann für große

Wunderaugen, daß ich Ding

Gar nicht mehr zu Bette ging.

Diese Netze strickt' ich dann,

Und bei jedem Knoten flogen

Hundert Seufzer zu dem Mann',

Der mich selbst ins Netz gezogen;

Was? gezogen? nein doch, nein!

Lief ich denn nicht selbst hinein?

Ist es nicht so gut darin?

Zehnmal besser als im Freien?

Kannst du Glück! so wie ich bin,

Einen Wunsch mir noch verleihen?

Aber stößt er mich hinaus –

Dann ist alles, alles aus!