Beruhigung

By Friedrich von Matthisson

Written 1796-01-01 - 1796-01-01

Wo des Mondes bleicher Schimmer

Durch der Kiefern Dunkel blickt,

Wo um wildes Felsgetrümmer

Sich die Efeuranke strickt;

Wo des Nebels Todtenschleier

Sich um Herbstgesträuche dehnt;

Wo am trüben Erlenweiher

Dürres Rohr im Winde tönt;

Wo in schwarzen Alpenschlünden

Dumpf der Bergstrom wiederhallt,

Wo, ein Spiel den Abendwinden,

Welkes Laub auf Gräber wallt:

Da, da wandelt, von der Thoren

Eitler Schimmerbühne fern,

Schwermut! der den du erkohren,

Unter Ahndungsträumen, gern.

Da erfüllt ein stilles Sehnen

Nach des Grabes Ruh' sein Herz;

Da ergießt in heissen Thränen

Sich der Seele banger Schmerz,

Und sein Blick durchschaut die trübe

Zukunft ruhig bis ans Grab,

Und es ruft: Gott ist die Liebe!

Jeder Stern auf ihn herab.