Bestürmtes Türckisches Lager und gewonnene Feld-Schlacht an der Donau gegen Seml...
Was will sich für ein muttig Heer
Zu meinem stoltzen Ufer nahen?
Der Thrazer kühne Gegenwehr
Hemmt so getrostes Unterfahen.
Bezähmte Bojus meinen Rücken
So soll es izt nicht mehr gelücken.
Ob Belgrad in dem Sturm erlag
So war auch Buda schon bezwungen.
Nun ist durch einen Pulver-Schlag
Der Christen Glücke weggesprungen.
Es soll an meinen frechen Wellen
Ihr Sturm und Mutt zurücke prellen.
Wer zählet wie manch kostbar Zelt
Mein Lust-Gefild anizt bekleidet?
Wie manches Stück ist auffgestellt?
Wie manch Cameel und Pferd hier weydet?
Wer will den Deutschen offenbaren
Was sich allhier für Völcker paaren?
Was von den Hungarn übertrat
Was Boßnien nur kan entbehren
Was Bulgarey Verwegnes hat
Das weiß ich einem zu gewehren;
Das Reich Dalmatiens nicht minder
Albanien weist seine Kinder.
Bastarn und Gete schützen mich
Der Araber denckt Raub zu holen
Natolien versammlet sich
Und Africa schickt Volck wie Kohlen
Die frechen Scythen und Odrysen
Bedecken meine grüne Wiesen.
Wie wird von mir das Volck genennt
Das um das rothe Meer entsprossen
Und kaum ein Christ von Nahmen kennt?
Ich hab auch solche Bunds-Genossen
Die selbst mit Christen-Kunst und Waffen
Die Christen wissen zu bestraffen.
Man schanzt das grosse Lager ein
Es wird mit Lust und Kunst gestritten
Doch wird mein Volck nicht feige seyn
Der Helden-Schaar den Kopff zu bitten
Wenn sie mit Hitz und Durst bekräncket
Sich halb gezwungen an uns hencket.
War unsers Mechmets Glücke todt
So kont es Solymann erwecken
Und leidt es auch bey diesem Noth
Wird Achmet neue Siege hecken;
Ja eh es solte gantz verderben
Muß Mustapha den Zepter erben.
Hier ist der kluge Groß-Vezir
Der Oßmanns Reich kan unterstützen;
In dessen Schutze wollen wir
Forthin nach alter Weise sitzen.
Niemand soll sich an mich mehr reiben:
Sclavonien wird Sclave bleiben.
Was bildet ihr die Sclavin ein
Die grausen Flutten auffzublehen?
Soll dir denn eine Freude seyn
Das Land in Dienstbarkeit zu sehen?
Soll ich zu decken deinen Rücken
Auffs neue Schiff und Helden schicken.
Ob Belgrad durch der Flammen Wutt
Aus Christen-Händen ward gerissen
So wisse daß aus diesem Blutt
Wird eine scharffe Rach entsprissen;
Den Muselmännern zum Verderben
Wird sich dein Strom mit Blutte färben.
Was rühmest du manch kostbar Zelt?
Der Sieger weiß sie schon zu zählen.
Bedeckt ein grosser Schwarm dein Feld
Es wird ihm bald am Raume fehlen.
Schau wie ein kluger Printz von Baden
Sich fertig macht zu ihrem Schaden.
Sind dort der tollen Völcker viel
Hier ist der Kern ob nicht die Menge.
Der fremden Waffen Gauckel-Spiel
Vermehrt des Fürsten Siegs-Gepränge.
Ost Sud Nord West bringt Lorbeer-Reiser
Für ihn und unserm Großen Käyser.
So manch entlegne Völckerschafft
Vom Mittag und der Sonnen Wige
Diß Heer zusammen hat gerafft
So manches Zeugniß unsrer Siege
Erschallet in entfernte Lande
Zur Christen Ruhm der Türcken Schande.
Du selbsten wirst den Ruff darvon
Mit mir zum schwartzen Meere bringen.
Wie traurig wird mein Freuden-Thon
In Bunds-Verwandten Ohren klingen!
Die Straffe die der Türck empfunden
Wart solcher Christen alle Stunden.
Das feste Lager hilfft hier nicht
Es wird mit Freudigkeit bestritten
Biß man durch Dämm und Pforten bricht
Wodurch der Feind heraus geritten
Den Durst mit Türcken-Blutt abspühlet
Die Hitz in ihren Adern kühlet.
Macht ledig und ersezt den Thron
Erwürgt und fässelt Oßmanns Erben
Nehmt Vetter Vater oder Sohn
Es soll doch keiner sieghafft sterben.
Des höchsten GOttes Zorn und Rache
Beschüzt der Christen rechte Sache.
Erkenne forthin den August
Der dir die Fässel läst benehmen.
Was darff sich deine stoltze Brust
So Edlen Uberwinders schämen?
Kein Knecht soll sich an dich mehr reiben:
Die Sau soll frey und Christlich bleiben!
Ich kenne dich berühmter Ister
Nachdem die Blende weggethan.
Wir lauffen als vertraut Geschwister
Numehr in ungehemmter Bahn
Mit vollem Strom des Pontus Wellen
Die Thaten GOttes fürzustellen.
Der Barbarn Macht hielt mich gefangen
Umschränckte meinen freyen Mund:
So bald sie von mir weg gegangen
Und deinem Ufer näher stund
Erhob ich meinen Kopff zu schauen
Was fürgieng um Semliner Auen.
Gradiv verzwillingte sein Dräuen
Saturn ließ saure Stralen gehn;
Ich sah ein Heer voll kühner Leuen
In Salankemens Feldern stehn:
Zu sterben oder obzusiegen
War nur ihr Wünschen und Vergnügen.
Auff ihrer Stirne brant ein Feuer
Voll Mutt nicht von der Sonnen Glutt.
Kein Helden-Blutt war hier zu theuer
Man wagt es fürs gemeine Gutt
Der stärckre Feind kan hinter Graben
Und Wall die Sicherheit nicht haben.
Hie dient die freye Brust zum Walle
Auff jenen steigt der kecke Fuß
Ob gleich von Pfeil von Stahl und Knalle
Der Stücke mancher fallen muß
So fällt er doch nicht ungerochen
Sieht noch wie andre durchgebrochen.
Man weicht doch wieder anzusetzen
Und zu verdoppeln seine Krafft
Man acht kein Sterben kein Verletzen
Weil keine Furcht im Hertzen hafft
Weil nimmer-welcke Sieges-Kronen
Den theuren Schweiß das Blut belohnen.
Die Barbarn trauen ihrer Menge
Gehn endlich in das weite Feld;
Wie bald wird ihnen diß zu enge
Weil Hertz und Haubt zusammen hält
Sie wieder in das Lager zwinget
Und selbst in ihre Nester dringet!
Wie schau ich ihre Häubter fliegen
Die Fahnen fallen in den Sand:
Die Christen müssen völlig siegen
Der Todten Zahl bedeckt das Land.
Gott zeigt wie er durch wenig Hände
Zu machen weiß des Hochmutts Ende.
Komm Schwester Drav und hilff besingen
Die Helden die den Feind verjagt
Laß denen Ehren-Säulen bringen
Die Geist und Leben hier gewagt:
Doch nein: Ihr Ruhm soll noch bestehen
Wenn Ertz und Marmor untergehen.