Bestürmtes Türckisches Lager und gewonnene Feld-Schlacht an der Donau gegen Seml...

By Hans Aßmann von Abschatz

Was will sich für ein muttig Heer

Zu meinem stoltzen Ufer nahen?

Der Thrazer kühne Gegenwehr

Hemmt so getrostes Unterfahen.

Bezähmte Bojus meinen Rücken

So soll es izt nicht mehr gelücken.

Ob Belgrad in dem Sturm erlag

So war auch Buda schon bezwungen.

Nun ist durch einen Pulver-Schlag

Der Christen Glücke weggesprungen.

Es soll an meinen frechen Wellen

Ihr Sturm und Mutt zurücke prellen.

Wer zählet wie manch kostbar Zelt

Mein Lust-Gefild anizt bekleidet?

Wie manches Stück ist auffgestellt?

Wie manch Cameel und Pferd hier weydet?

Wer will den Deutschen offenbaren

Was sich allhier für Völcker paaren?

Was von den Hungarn übertrat

Was Boßnien nur kan entbehren

Was Bulgarey Verwegnes hat

Das weiß ich einem zu gewehren;

Das Reich Dalmatiens nicht minder

Albanien weist seine Kinder.

Bastarn und Gete schützen mich

Der Araber denckt Raub zu holen

Natolien versammlet sich

Und Africa schickt Volck wie Kohlen

Die frechen Scythen und Odrysen

Bedecken meine grüne Wiesen.

Wie wird von mir das Volck genennt

Das um das rothe Meer entsprossen

Und kaum ein Christ von Nahmen kennt?

Ich hab auch solche Bunds-Genossen

Die selbst mit Christen-Kunst und Waffen

Die Christen wissen zu bestraffen.

Man schanzt das grosse Lager ein

Es wird mit Lust und Kunst gestritten

Doch wird mein Volck nicht feige seyn

Der Helden-Schaar den Kopff zu bitten

Wenn sie mit Hitz und Durst bekräncket

Sich halb gezwungen an uns hencket.

War unsers Mechmets Glücke todt

So kont es Solymann erwecken

Und leidt es auch bey diesem Noth

Wird Achmet neue Siege hecken;

Ja eh es solte gantz verderben

Muß Mustapha den Zepter erben.

Hier ist der kluge Groß-Vezir

Der Oßmanns Reich kan unterstützen;

In dessen Schutze wollen wir

Forthin nach alter Weise sitzen.

Niemand soll sich an mich mehr reiben:

Sclavonien wird Sclave bleiben.

Was bildet ihr die Sclavin ein

Die grausen Flutten auffzublehen?

Soll dir denn eine Freude seyn

Das Land in Dienstbarkeit zu sehen?

Soll ich zu decken deinen Rücken

Auffs neue Schiff und Helden schicken.

Ob Belgrad durch der Flammen Wutt

Aus Christen-Händen ward gerissen

So wisse daß aus diesem Blutt

Wird eine scharffe Rach entsprissen;

Den Muselmännern zum Verderben

Wird sich dein Strom mit Blutte färben.

Was rühmest du manch kostbar Zelt?

Der Sieger weiß sie schon zu zählen.

Bedeckt ein grosser Schwarm dein Feld

Es wird ihm bald am Raume fehlen.

Schau wie ein kluger Printz von Baden

Sich fertig macht zu ihrem Schaden.

Sind dort der tollen Völcker viel

Hier ist der Kern ob nicht die Menge.

Der fremden Waffen Gauckel-Spiel

Vermehrt des Fürsten Siegs-Gepränge.

Ost Sud Nord West bringt Lorbeer-Reiser

Für ihn und unserm Großen Käyser.

So manch entlegne Völckerschafft

Vom Mittag und der Sonnen Wige

Diß Heer zusammen hat gerafft

So manches Zeugniß unsrer Siege

Erschallet in entfernte Lande

Zur Christen Ruhm der Türcken Schande.

Du selbsten wirst den Ruff darvon

Mit mir zum schwartzen Meere bringen.

Wie traurig wird mein Freuden-Thon

In Bunds-Verwandten Ohren klingen!

Die Straffe die der Türck empfunden

Wart solcher Christen alle Stunden.

Das feste Lager hilfft hier nicht

Es wird mit Freudigkeit bestritten

Biß man durch Dämm und Pforten bricht

Wodurch der Feind heraus geritten

Den Durst mit Türcken-Blutt abspühlet

Die Hitz in ihren Adern kühlet.

Macht ledig und ersezt den Thron

Erwürgt und fässelt Oßmanns Erben

Nehmt Vetter Vater oder Sohn

Es soll doch keiner sieghafft sterben.

Des höchsten GOttes Zorn und Rache

Beschüzt der Christen rechte Sache.

Erkenne forthin den August

Der dir die Fässel läst benehmen.

Was darff sich deine stoltze Brust

So Edlen Uberwinders schämen?

Kein Knecht soll sich an dich mehr reiben:

Die Sau soll frey und Christlich bleiben!

Ich kenne dich berühmter Ister

Nachdem die Blende weggethan.

Wir lauffen als vertraut Geschwister

Numehr in ungehemmter Bahn

Mit vollem Strom des Pontus Wellen

Die Thaten GOttes fürzustellen.

Der Barbarn Macht hielt mich gefangen

Umschränckte meinen freyen Mund:

So bald sie von mir weg gegangen

Und deinem Ufer näher stund

Erhob ich meinen Kopff zu schauen

Was fürgieng um Semliner Auen.

Gradiv verzwillingte sein Dräuen

Saturn ließ saure Stralen gehn;

Ich sah ein Heer voll kühner Leuen

In Salankemens Feldern stehn:

Zu sterben oder obzusiegen

War nur ihr Wünschen und Vergnügen.

Auff ihrer Stirne brant ein Feuer

Voll Mutt nicht von der Sonnen Glutt.

Kein Helden-Blutt war hier zu theuer

Man wagt es fürs gemeine Gutt

Der stärckre Feind kan hinter Graben

Und Wall die Sicherheit nicht haben.

Hie dient die freye Brust zum Walle

Auff jenen steigt der kecke Fuß

Ob gleich von Pfeil von Stahl und Knalle

Der Stücke mancher fallen muß

So fällt er doch nicht ungerochen

Sieht noch wie andre durchgebrochen.

Man weicht doch wieder anzusetzen

Und zu verdoppeln seine Krafft

Man acht kein Sterben kein Verletzen

Weil keine Furcht im Hertzen hafft

Weil nimmer-welcke Sieges-Kronen

Den theuren Schweiß das Blut belohnen.

Die Barbarn trauen ihrer Menge

Gehn endlich in das weite Feld;

Wie bald wird ihnen diß zu enge

Weil Hertz und Haubt zusammen hält

Sie wieder in das Lager zwinget

Und selbst in ihre Nester dringet!

Wie schau ich ihre Häubter fliegen

Die Fahnen fallen in den Sand:

Die Christen müssen völlig siegen

Der Todten Zahl bedeckt das Land.

Gott zeigt wie er durch wenig Hände

Zu machen weiß des Hochmutts Ende.

Komm Schwester Drav und hilff besingen

Die Helden die den Feind verjagt

Laß denen Ehren-Säulen bringen

Die Geist und Leben hier gewagt:

Doch nein: Ihr Ruhm soll noch bestehen

Wenn Ertz und Marmor untergehen.