Besuchung des heiligen Grabes

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Kommt Sterbliche die ihr die Gräber scheuet

Besucht mit mir was mich im Geist erfreuet

Und könt ihr nicht nach Palestina gehn

So bleibet hier in Andacht stille stehn.

Es prangt die Welt mit ausgeschmückten Zimmern

Hier blinckt Crystall und dort muß Silber schimmern

Der Herr der Welt den sie gestossen auß

Entlehnet ihm ein schlechtes Todten-Hauß.

Der Lebens-Fürst durch den wir alle leben

Läst sich verschmacht ins Grab zu ruhen heben:

Die Sonne die der Sonne gab den Schein

Senckt sich erblaßt in finstern Winckel ein.

Weil Adam must aus Schuld vom Garten scheiden

Fieng Christus auch im Garten an zu leyden.

Im Garten wird er nun zur Ruhe bracht

Weil diese Schuld ist wieder gutt gemacht.

Im Garten blüht die edle Sarons-Blume

Das Paradieß wird uns zum Eigenthume.

Den Saamen und die Zwiebel stecken wir

Doch bricht heraus die schönste Blüth herfür.

Du stille Grufft in harten Felß gehauen

Man wolte dir den Felß des Heyls vertrauen

Gleichwie ihn nicht mag halten deine Klufft

So öffnet er auch künfftig unsre Grufft.

Du dunckles Hauß in festen Stein gebauet

Wer ist dem noch für solcher Wohnung grauet?

Es hat dich ja der Glantz der Herrligkeit

Und unser Grab zugleich mit eingeweyht.

Es darff ihn nicht die Schaar der Wächter hütten

Ich will für mich derselben Stell erbitten

Ich will bey ihm mein Hertze schliessen ein

So werd ich auch mit ihm erwecket seyn.