Betrachtung der Geschöpfe GOttes und derselben herrliche Früchte.

By Barthold Heinrich Brockes

Ich bet', o GOTT, in Deinen Wercken,

Voll heiliger Verwunderung, Dich an.

Ach! laß mich doch, so viel ich kann,

Von ihnen, Dir zur Ehr, in froher Andacht mercken!

Die Seele, die Du uns gegeben,

Kann ihres Denckens Eigenschaft,

Als ihres Wesens beste Krafft,

Zu keinem edlern Zweck’, in diesem Leben,

Wol anzuwenden, sich bestreben;

Als wenn sie sich auf Dein Geschöpfe lencket,

Desselben Schönheit, Nutz und Ordnung überdencket,

Und, in bewundernder Betrachtung, sich,

O Allmachts-voller GOTT, in Dich,

Als aller Schönheit Schöpfer, sencket.

Durch dieses seelige Geschäffte

Vermehren sich in ihr das Wollen und die Kräffte,

Des weisen, mächtigen, und gütgen Schöpfers Willen,

In allen Handlungen und Pflichten, zu erfüllen.

Die, in der herrlichen Geschöpfe Wunder-Pracht

Noch immer mehr und mehr erkannte weise Macht,

Noch immer mehr und mehr verspührte Vater-Liebe,

Erzielen Lust und Danck, erzielen Andachts-Triebe,

Jm Glück ein frohes Hertz; ein sehnliches Verlangen,

Für so viel Gnad’ und Huld, die wir von Jhm empfangen,

Zu thun, was Jhm gefällt: In Wiederwärtigkeit,

Die Jhm gefällige Gelassenheit,

Vertrauen und Gedult. Denn wenn ichs recht verstehe,

Daß eine mächtige und weise Lieb’ allein

Das, was geschicht, befiehlt; so geh es, wie es gehe;

Ein GOTT vertrauend Hertz wird leicht getröstet seyn.