Betrachtung der Seele.

By Barthold Heinrich Brockes

Ein Wunderwerk, das nimmer gnug zu achten, zu bewun-

dern ist,

Und worinn man des Schöpfers Weisheit am überschweng-

lichsten ermißt,

Ist unsers Leibes und der Seele nie zu erforschender Ver-

band;

Je mehr man ihm sucht nachzuforschen, je mehr bleibt er uns

unbekannt.

Ein jeder Theil, für sich betrachtet, hat nichts von allen

Eigenschaften,

Von keiner Wirkung, keiner Handlung, die an dem andern

Theile haften,

Und doch, da sie vereinet sind, wird, durch ein’ unbekannte

Macht,

Die Wirkung, welche jeder fehlte, verwunderlich hervor-

gebracht.

Der

bereitet,

Und dennoch reget er sich nicht, wenn ihn die Seele nicht

begleitet,

Die sich doch nicht bewegen kann.

Die

als Pein,

Die, sonder unsers Cörpers Beytrag, doch nicht von ihr

empfunden seyn,

Und doch besitzet sie kein Cörper. Die Seele sieht den Cörper

an,