Betrachtung der Welt/ von der Erschaffung biß nach der Sündfluth

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Gott schuf zu allererst den Himmel und die Erde.

Bewundre Geist und Hertz diß Werck ist Heiligkeit!

Damit die Finsterniß in Licht verhandelt werde!

Sprach Gott: es werde Licht! gleich war das Licht bereit.

O welche Majestat die in den Worten stecken!

Da alles auf der Welt nunmehr hervor gebracht

Hat Gott die Wunder Hand zum Menschen ausgestrecket

Und aus der Erden ihn zu Gottes Büd gemacht

Wie herrlich bist du Gott wie huldreich und wie milde!

Hier ist ein Liebes Meer in einer Vater Brust

Hier ist der Güte Thron. Gott schuf uns sich zum Bilde

Zum Bilde: Zweymahl steht was unsre höchste Lust.

Da nun das Paradieß der Garten unsrer Wonne

Vor uns erbauet war fiel unser Heil und Glück

Im Ungehorsam hin. O unerschaffne Sonne!

Weicht denn dein Gnaden-Strahl dein Licht in uns zurück?

Du hast Armseliger dein höchftes Gut verlohren.

Dein Auge gehet auf dein Elend anzusehn

Die Sünde wird durch dich der gantzen Welt gebohren.

Vor Scham und Schande kan der Mensch vor Gott nicht stehn

Verbirge dich! Allein wo wird ein Baum dich decken.

Vor Gottes Angesicht? doch deine Furcht ist groß;

Des Höchsten Stimme rufft und Adam bebt vor Schrecken

Nun Gottes Bildniß fort so steht er nackt und bloß.

Der Arme zieht sich aus giebt weg was er getragen

O die Vollkommenheit die dich verlassen hat!

Das allerschlimste Kleid und Centner schwer von Plagen

War da so leicht es schien ein dünnes Feigen-Blat.

Diß war die erste Noth die unsern Leib umgeben.

Der Seelen Unschuld starb durch Gifft und Schlangen List

Ist kein Erbarmen da vor Todte welche leben?

Wir lesen gleich darauf wie gnädig Herr du bist.

Gott sprach: Zum neuen Heil bereit ich dir den Saamen.

O Liebe welche nicht vollkommener kan seyn?

Gott tröstet nach dem Fall: Ihr Sünder sprechet Amen.

Die Liebe nimt das Hertz mit Freuden Thränen ein.

Wer diesen Worten traut dem kan der Fluch nicht schaden;

Der stirbt nicht wenn er stirbt arbeitet in der Ruh

Und legt im Glauben sich o tiesses Meer der Gnaden

Durch Christum wiederum des Höchsten Bildnis zu.

Doch diese Liebe hat Undanckbarkeit belohnet.

Die Kinder Gottes sah'n den Menschen Töchtern nach

Den Kindern Cains-Art in welchen Schönheit wohnet

Die Schönheit die der Welt das Hertz und Leben brach.

Die Schönheit die der Geist des Himmels nicht regieret;

Die Schönheit da der Herr den Erden-Kreiß beschaut

Und nichts als Boßheit sieht und nichts als Frevel spüret

Macht daß dem Schöpffer selbst vor den Geschöpfen graut.

Daß es dem Gütigsten den wir die Liebe nennen

Gereuet daß er uns aus Staub und Koth gemacht.

Daß aus Gerechtigkeit sein Eyser muß entbrennen

Der Menschen wie das Vieh das gleich war umgebracht.

O Schönheit Pfuy dich an! Verflucht ist dein Gerichte!

Trinck Wasser Häßliche! die Sündfluth kömt durch dich.

Hier schwimmt der Menschen Heer. Welch jämmerlich Gesichte!

Man säufet seinen Tod wie vor die Sünd in sich.

Die Welt verderbe nur die schon durchaus verdorben.

Doch Noah spricht der Herr geh in die Sicherheit:

Ich habe dich gerecht den Lüsten abgestorben

Gerecht vor mir ersehn zu dieser bösen Zeit.

Die Erde ward vertilgt und alles Fleisch gieng unter;

Nur Noah blieb gesund und was im Kasten war.

Auf Seele lobe Gott sey danckbar freudig munter

Es liegt was Leben hat auf seiner Todten-Bahr.

Die Wasser übergehn der höchsten Berge Spitzen.

Vieh Menschen Vögel Wild Gewürm ersäuft ertrinckt.

Nur ein Gerechter kan in Ruh und Frieden sitzen;

Sein Felß der Zuversicht ist Gott der nicht versinckt.

Sein Schloß der Sicherheit baut er in wilden Wellen.

Das Wasser andrer Todt trägt ihn gesund davon.

Es mag der Grim der Fluth biß an den Himmel schwellen

Er spricht in Gottes Krafft dem Wüten Trotz und Hohn.

Gott hielte sein Gericht und da er sich gerochen

Bracht um die Vesper Zeit der holden Tauben Mund

Ein Oelblat welches sie zum Zeichen abgebrochen

Das Gottes Frieden nun auf Erden wieder stund.

Mit Noah ist zugleich der Seegen ausgegangen

Bald ward ein Lob-Altar dem Höchsten aufgebaut

So pflegt es nach der Noth ein Frommer anzufangen;

Und dieses Opfer hat Gott gnädig angeschaut.

Es hatte sich dadurch die Danckbarkeit entzündet.

Die Andacht trug das Holtz die Liebe legt sich drauf.

So daß das Vater Hertz daran Gefallen findet

Ein lieblicher Geruch stieg zu dem Höchsten auf.

Wie gütig ist der Herr vor diese die Ihn suchen?

O Liebe! die hierauf in ihrem Hertzen spricht:

Ich will hinfort nicht mehr den Erden Kreiß verfluchen

Denn was ist doch der Mensch vor meinem Angesicht?

Zum Bösen ist sein Hertz von Jugend auf geneiget

Darum soll was da lebt nicht weiter untergehn.

So lange sich die Welt in ihren Angeln zeiget

Soll Saamen Erndte Frost und Hitze nicht entstehn.

Ich will so Tag als Nacht und alle Zeit erwecken.

Zu Noah sprach der Herr: seyd fruchtbar mehret euch;

Erfüllet diese Welt; und euer Furcht und Schrecken

Sey über Fische Thier' und Vögel auch zugleich.

Ich richte meinen Bund mit Noah samt den Erben

In dieser Meinung auf: daß hinfort keine Fluth

Kein Wasser alles Fleisch auf Erden soll verderben.

Und dieses ist mein Bund der ewiglich beruht.

Ich habe sagte Gott zum Zeichen meinen Bogen

Ins Wolcken Heer gesetzt auf daß ihr darnach seht

Wenn ich die schlimme Welt mit Wolcken überzogen

Daß alles Fleisch dadurch nicht mehr zu Grunde geht.