Betrachtung des Schlafs, als eine Göttliche Wohlthat, bey dem 1728sten Jahres-We...

By Barthold Heinrich Brockes

Wofern uns eine Zeit zu GOTTES Ruhm verpflichtet,

So ist es die ja wol, wenn ein verneu’tes Jahr

Den Theil von unsrer Welt zur Sonnen wieder richtet,

Wovon im vorigen sie weit gewichen war.

Wolan denn, weil die Zeit nun abermal erschienen,

Da sich des Schöpffers Macht, in der sich dreh’nden Welt,

Zum Nutz der Creatur, aufs neu’ vor Augen stellt;

So lasst uns Jhn nicht nur mit solchen Dancken dienen,

Das bloß nach Eigen-Lieb’ und eig’nen Vortheil schmeckt,

Da man sich selbst aus Ernst; mit eitlem Wort-Gepränge

Hingegen andern offt, worinnen sonst nichts steckt,

Als bloß ein Schall und leerer Töne Menge,

Ein frölichs Neu-Jahr wünscht. Nein, lasst uns uns er-

wecken,

Aus dem Gewohnheits-Schlaf! Auf! lasst uns, GOTT

zum Preise,

Ein herrlichs Gut, das er, auf wunderbarer Weise,

In unserm Leben uns so wunderbar zu schencken,

So gnädig würdiget; betrachten, überdencken

Und wohl behertzigen. Denn es ist eins der grösten,

Der wunderwürdigsten und besten,

Wenn man es recht betrachtet und erwegt,

Was unser GOTT darinn für Nutz und Lust gelegt.