Betrachtung einer überaus grossen Hyacinth.
Wie reich, wie gütig die Natur, wie auf so manche Art
und Weise,
Mit ihren holden Frühlings-Schätzen,
Dem, Welcher sie gemacht, zum Preise,
Sie sich bemüht uns zu ergetzen,
Bemerkt’ ich jüngst, fast ausser mir,
Als ich die Balsam- reiche Zier
Von einer recht besonders grossen, gefüllten Hyacinth
erblickte,
Wovon sich eine jede Glocke mit zwey und vierzig Blättern
schmückte,
An deren äussern harten Kelch man eine glatte Festigkeit,
Und fast dieselbige Figur der lieblichen Granaten-Blüht,
Doch glänzend-weiß mit grünen Ecken, mit fast erstaunten
Augen sieht,
In deren Silber-reinen Blättern ein zartes röhtlich Feuer
glüht;
Dem auch die allerschönste Haut der Rosen-farbnen Jugend
weicht,
Und das an Glanz dem reinsten Schmelz, an Farben zarter
Pfirsch-Blüht gleicht.
Ein grüner Schmelz bedeckt’ die Stengel. Noch sah ich eine
ja so schön,
Und ja so groß, so Blätter-reich, nur mit dem Unterscheid
allein,
Daß, wie der ersten Blätter röhtlich, die andern blau gefärbet
seyn,
Und recht wie Porcellain gesprenget.
Mich rührete die Balsam-Kraft, so sich aus allen beyden
drenget.
Es dünstet’ aus den vollen Kelchen ein recht ambrirter
Balsam-Schwall,
Und füllete nicht eine Nase, den ganzen Luft-Kreis überall.
Hierinn ist ein so säurlich Wesen mit einem süsseren
vermischet,
Daß es mit Wollust den Geruch, mit Anmuht unser Hirn
erfrischet,
Und mit der kühlen Lieblichkeit ins Innerste der Seele
dringet,
Woraus Bewundrung, Dank und Andacht, und Preis, und
Lob in ihr entspringet.
Ich hielte sie bald vor die Nase, bald sah ich ihren Schim-
mer an,
Wodurch ich endlich dieses Lied, zu ihres Schöpfers Ruhm,
begann:
Wie herrlich sind doch Deine Werke,
O Brunnquell aller Herrlichkeit!
Ach, gieb doch, daß ich jederzeit,
Von Deiner Vollenkommenheit
Die Wunder, überall bemerke!
Ach, stärke meiner Seelen Augen,
Daß sie, durch ihren schönen Dunst,
Der Dich verhüllt, die Weisheit, Gunst
Und Deine Macht zu schauen taugen!
Auch laß uns, mit gerührter Seelen,
Dein huldreich Wirken gern erzehlen!