Betrachtung über die verwelk- ten und abgefallnen Blätter.
Da liegen die durch Sturm und Wetter,
Von Bäumen abgestreiften Blätter
Die ihrer Gipfel runden Kranz
Geschmükt mit einem güldnen Glanz;
Sie liegen nun zu deren Füssen,
Die sie vorhero zieren müssen.
Vorgestern sahe man mit Prangen,
Sie noch auf ihrem Gipfel hangen
Da ihr in gelb verwandelt Grün,
Wie ein bemahltes Goldblech schien;
Sie sind zerstreuet von den Winden,
Und auf bemoosten Grund zu finden.
Sie liegen in verworfner Menge,
Noch als ein güldenes Gepränge,
Und scheinen bei dem Sonnenstrahl,
Als eine grosse Münzen Zahl:
Jedoch in wenig Tages-Stunden,
Sind sie aus dem Gesicht verschwunden.
Die Nässe schmelzt sie in der Eile,
Und bringt sie zur geschwinden Fäule,
Daraus wenn sie in Mist verkehrt,
Sich künftig das Gesträuche nährt,
Da sie in Lenz aus andern Bäumen,
Mit schönen Flor von neuen keimen.
Da sehet ihr! ihr stolzen Reichen,
Die ihr den Bäumen zu vergleichen,
Das Schiksal eurer Güter an,
Und wie es euch ergehen kan,
Wenn euch der Winter später Jahre,
Zulezt bringt zu der Todten-Baare.
Jhr prangt jezo mit euren Schäzen,
Jhr könnt am Mammon euch ergözen,
Allein was ist das eitle Geld,
Das euer Herze an sich hält,
Was ist das Gold, das euch so zieret?
Ein Schmuk der sich gar bald verlieret.
Des Sommers warme Sonnenblikke,
Und euer scheinendes Gelükke:
Die dauren eine kurze Zeit,
Es folgen auf die Heiterkeit
Des Sommers, kalte Witterungen,
Und auf das Glük stets Aenderungen.
Der Zeiten Wechsel sind geschwinde,
Des Schiksahls stürmerische Winde,
Erheben sich als wie ein Nord,
Und treiben von uns wieder fort,
Was wir vorher mit Lust besessen,
Wird schmerzhaft wiederum vergessen.
Die Kräfte der Natur vergehen,
Jhr plaget euch mit kranken Wehen,
Die eur erstarrter Körper fühlt,
Den Krankheit, wie ein Pfeil durchwühlt,
Jhr seht, wenn ihr so ängstlich keichet,
Wie Gold und Reichthum von euch weichet.
Da liegt es noch zu euren Füssen,
Jhr müßt die starren Augen schliessen,
Jhr werft noch einen matten Blik,
Auf euren gelben Schaz zurük:
Und seht bei eurem kranken Sterben,
Wie ihn zertheilen frohe Erben.
Jhr fühlt, daß euch der Geiz gereuet,
Da ihr den Reichthum schon zerstreuet
Als wie von Wind, zertheilt, verweht,
Und in der Welt verfliegen seht.
Was ihr so ängstlich aufgehoben,
Ist lustig wiederum zerstoben.
Der eine iägt es durch die Kehlen,
Und macht sich von den sauren Quälen,
Von eurer Kummervollen Plag,
Nun einen lustig guten Tag:
Er läst eur Gold in Wein zerfliessen,
Was ihr erspart, wil er geniessen.
Der andre trägt auf andre Weise,
Durch eine weit entfernte Reise
Den Mammon, euer Gut und Geld,
In alle Länder dieser Welt:
Es schmelzt der Abgott den ihr ehret,
Der euch durch seinen Schein bethöret.
Und der den ihr gar oft nicht kennet,
Den ihr auch euer Gut misgönnet,
Erlangt es, und er steigt empor,
Und kömmt dadurch in schönen Flor:
So wunderbahr gehts mit den Dingen,
Die wir mit Müh zusammen bringen.
Und wolt ihr das im Beispiel sehen,
So merket nur der Blätter Wehen:
Und schaut im Herbst es an, und glaubt,
So wie der Baum da wird entlaubt:
So wird dereinsten eur Vergnügen,
Von euch fort, auseinander fliegen.