Betrachtung über eine mit gel- ben und saftigen Obst angefülle- te Schüssel.

By Johann Justus Ebeling

O! mein Schöpfer wie erquikkend,

Und wie lieblich ja entzükkend

Ist die Baumfrucht anzusehn,

Die so roth und sprenglicht schön,

Als wenn, wie in silbern Schaalen,

Güldne Aepfel herrlich strahlen!

Solche Schönheit läst du steigen;

Aus den troknen Stamm und Zweigen,

Wie bist du den Menschen hold,

Denen du ein esbar Gold

Wundernswürdig zubereitest,

Und durch zarte Röhren leitest.

Weil daraus die giergen Augen,

So viel süsse Anmuth saugen:

So zieht der vergnügte Blik,

Gleichsam meinen Mund zurük,

Und behindert im Verzehren,

Diese Schönheit zu zerstöhren.

Doch was lieblich anzusehen,

Bringt nicht allzeit solche Wehen,

Als die Frucht im Paradies,

Die der Probe-Baum dort wies:

Diese soll man ja geniessen,

Weil du sie uns lässest spriessen.

Zwiefach schön sind diese Früchte,

Wie sie laben das Gesichte;

So labt auch bei jedem Bis,

Jhr Saft welcher Honig süß,

Da wir in begiergen Schmekken,

Schöpfer! deine Güt entdekken.

Ach! wie reitzend, frisch und kühle,

Schmeichelt uns des Gaums Gefühle,

Wenn dadurch der Saft sich gießt,

Der aus dieser Baumfrucht fliest,

Durch die Kehle lieblich quillet,

Wenn sie unsern Mund gefüllet.

Diese die uns aufgetischet,

Sind wie Saur und Süß vermischet,

Jhre herbe Säurlichkeit

Ist mit Zukker überstreut:

Damit wir an deinen Gaben,

Nach Gefalln uns können laben.

Wenn ich an der Herbstgeschenke

Ursprung, recht zurükke denke,

Wie sie zu der Reif gedein,

Muß ich mich von neuen freun,

Da wir warlich Wunder essen,

Die nicht gnugsam zu ermessen.

Was der Saft der Erde bringet,

Der durch Baum und Zweige dringet,

Sezt sich in den Blüthen an

Draus dies Obst entstehen kan,

Wenn durch

Es zur Zeitigung erhalten.

Was so durch den Stamm gebrochen,

Muß die Sonne gleichsam kochen,

Bis der Saft so durchgerührt,

Sich die Bitterkeit verliehrt,

Die verduftet durch das Brennen

Da wir sie denn essen können.

Drükket uns dies GOttes Güte

Nicht so gleich in das Gemüthe,

Die so wunderbahrlich macht,

Was uns in die Augen lacht

Was uns unsre Zung erfreuet,

Was im Magen uns gedeiet?

Menschen! wenn ihr diese Früchte,

Diese lieblichen Gerichte,

Die der Schöpfer euch beschert,

Bei vergnügter Lust verzehrt:

So erkennt zu seinem Preise,

Wie er mächtig, gütig, weise.

Dieses könt ihr achtsam schmekken,

Und dadurch den Trieb erwekken,

Einer regen Dankbarkeit,

Die ihr dafür schuldig seid,

Dem, der zum vergnügten Leben,

Euch so manche Frucht gegeben.

Wer das Obst vergnügt geniesset,

Daß der Mund von Safte fliesset,

Aber nicht dabei gedenkt,

Wer dasselbe ihm geschenkt,

Ist nicht werth die süssen Gaben

Die der Schöpfer giebt, zu haben.

Wer an Früchten sich ergözzet,

Und

Und damit den Magen füllt,

Des Geschmakkes Reizung stillt,

Jsset wie die Thiere pflegen,

Die den Geber nicht erwegen.