Betrachtungen beym Mähen des Getraydes.
Jüngst setzt' ich mich, mit frohem Sinn,
In Schatten einer Linde hin,
Um dem so Segen-reichen Mähen,
Mit Lust und Andacht, zuzusehen.
Mir waren fast die Thränen nah
Ob allem, was ich hört’ und sah.
Ich hört’ ein lieblich-rauschend Zischen,
Wenn durch das Korn die Sense drang,
Sich mit dem hell- und scharfen Klang
Der oft geschärften Sichel mischen.
Ich sah’ ein hell und funkelnd Blinken
(wenn sich die Sicheln bald erhöhn,
Bald in der Luft sich schwingend drehn,
Bald schleunig wieder niedersinken)
Wie Blitz entstehen und vergehn.
Ich sah’, wie sie mit strengen Hieben
Die Schnitter durch die Halmen trieben.
Ich sah’, wie sie den Haken führen,
Wie sie damit den Hieb regieren,
Wenn sie die Halmen biegend ziehn.
Ich sahe ferner noch vor allen,
Mit Lust, das Korn in Schwaden fallen,
Und wie die Schnitter sich bemühn,
Daß es durch Haken, Sichel, Fuß
Zu einer Garbe werden muß,
Indem sie es, im Ziehen, pflegen
Sanft auf das linke Bein zu legen,
Sie denn darauf gemach erhöhn,
Das, was sie ungefehr in sieben
Erst hin, denn her gescheh’nen Hieben
Gemäht, im Schwung ein wenig drehn.
Durch diese Handlung legen sie
Die ganze Garben sonder Müh,
Die denn die rege Binderinn
Umarmet, ein paar Halme nimmt,
Und schnell sie um die Garben krümmt,
Die stellt sie denn in Hocken hin.
Worauf derselben nette Höhen
So zierlich, recht wie Zelte, stehen,
Und, in den Schnur-geraden Gassen,
Als wie ein Friedens-Lager lassen.
Bald kommen sie als Scenen mir
Und wie ein groß Theater für,
Worauf der holde Fried’ agirte,
Und, nebst dem reichen Ueberfluß,
In sanften Worten recitirte:
Vertreibet Kummer und Verdruß!
Seht, wie euch hier, zu eurem Leben,
Der Schöpfer Korn und uns gegeben!
Wollt ihr an den gewünschten Schätzen
Jm frohen Dank euch nicht ergetzen?
Auf! laßt ein fröhlich Lied erklingen,
Und fangt in Chören an zu singen:
Herr des Sonnen-Scheins und Regens,
Ew’ge Brunnquell alles Segens,
Vater aller Fruchtbarkeit,
Wir erkennen deine Güte,
Mit erkenntlichem Gemühte,
Jtzt zur frohen Erndte-Zeit.
Dieses, deucht mich, sungen sie
In gedämpfter Harmonie.
Um denn auch nicht stumm zu seyn,
Stimmet’ ich mit ihnen ein:
Herr des Sonnen-Scheins rc.
Ich fügte diesem Dank den heissen Wunsch noch bey:
Ach gieb, o HErr, zum völligen Genuß,
Daß uns, bis zu der Erndte Schluß,
Die Witt’rung ferner günstig sey!
Bewahr uns vor zu vielem Regen!
Ach gieb, HErr, daß wir diesen Segen
In unsre Scheuren trocken legen,
Und Dir von Herzen danken mögen!
Indem ich nun bald hin und her,
Voll Lust und Dank, spatzieren gehe,
Und bey den Schnittern ungefehr
An einem Orte stille stehe,
Und ihr geschäftig Werk besehe,
Seh’ ich bey ihnen, mit Vergnügen,
Den bäuerischen Hausraht liegen.
Die kleine Feld-Stühl’, ihr Gewand,
Die
Das ich daselbst zusammen fand,
Lag durch einander hin und her.
Es schien auf solche Art geleget,
Als wie man es zu mahlen pfleget.
Ich ließ hierauf mir all ihr Werkzeug weisen,
Und sah’ zuerst die Form der Sichel an,
Die man, wie grob sie scheint, nicht gnug bewundern kann.
Jhr recht halb Cirkel-rundes Eisen
(wodurch es füglich eine Menge
Von Halmen gleichsam in die Enge
Jm Hauen treibt, und sie sich leichter trennen)
Ist künstlich an den Schafft gefügt,
Den sie gemeiniglich den
Und welcher sich ein wenig biegt,
Worinn der Daum recht fest in einer Tiefe liegt,
Wodurch sie sie bequemlich halten können,
An welchem Schafft ein viereckt Holz, das platt,
Und welches man die
Ganz unten eine Stelle hat,
Nicht nur zu einem Gleich-Gewicht,
Nein auch dazu, damit es nicht,
Der Hand so wenig, als dem Bein,
Jm Hauen dürft’ im Wege seyn.
Und kurz: Dieß Werkzeug leicht zu zwingen,
Und jeden Hieb bequemlich zu vollbringen,
Ist es, ob man es gleich nicht achtet,
Und es, für Hoheit, kaum betrachtet,
So künstlich eingericht’t, so wohl formiert,
Daß dem Erfinder nicht allein
Dafür besondrer Ruhm gebühret,
Nein, daß es uns mit Recht zu Dessen Preise führet,
Der des Erfinders Geist mit Kräften ausgeziert,
Zu Dem, woraus entstanden seyn,
Zu solchem nützlichen Geschäfte,
Sowohl des Geists, als auch der Cörper Kräfte,
Der Holz und Eisen schuff, ohn welche man
Nicht pflügen und nicht erndten kann,
Und Welchen wir daher, daß Er uns Holz und Eisen,
So uns so nöhtig, schenkt, mit höchstem Rechte preisen.
Ich ließ mir auch nachher den Haken weisen,
Das Werkzeug ihrer linken Hand,
So denn nicht weniger Verstand
Uns zeigt, und ebenfalls vernünftig zugerichtet,
Da man damit nicht nur die Aehren biegt und schlichtet,
Wozu es vorn gekrümmt;
Nein, da ich noch darauf von Pech und Sand,
Wie einen Wetzstein, in der Mitten,
Die Sichel drauf zu wetzen, fand,
Wenn sie sich etwan stumpf geschnitten:
Noch mehr, wie schon erwehnt, sie pflegen,
Mit diesem Instrument, die Schwaden recht zu legen.
Nachdem ich alles dieß nun Stückweis’ angesehn,
Und überall, wie Nutz, wie Absicht und Verstand
Auch in der Bauren Werk so weislich sich verband,
So deutlich spührete; muß ich aufs neu gestehn,
Daß ich, je mehr ich es erwege,
Je mehr ich Kunst und Kraft und Fleiß der Bauren über-
lege,
Je mehr ich all ihr Thun ergründe,
Auch hier, wie überall, die Spuhr der Gottheit finde,
Der alle Umständ’ auf der Erden,
Zu unserm Nutz und Seinem Preis,
Zu schaffen und zu ordnen weiß,
Daß wir durch sie ernähret werden.
Daß die Materie vorhanden
Von so verschiedner Eigenschaft,
Wie auch der Geist von so verschiedner Kraft,
Ist alles ja durch GOtt allein entstanden.
Ich danke Dir demnach, o Gottheit, die die Welt
So wunderbar erschuff, so wunderbar erhält,
So wunderbar regiert, daß ich, bey so viel Gaben,
Die wir, durch Deine Gnad’ allein, empfangen haben,
Die Gnad’ annoch vor andern auch erhalten,
Daß ich Dich überall entdecke;
Daß ich, wie alle Ding’ durch Dich ihr Amt verwalten;
Daß ich Dein Freundlichseyn und Deine weise Macht
In allem, welches bloß durch Dich hervorgebracht,
Mit ehrerbietigem Erstaunen, seh’ und schmecke,
Ach, laß mich ferner meine Zeit
In Dir gefälligen Betrachtungen verbringen!
Ach, laß mich Deine Herrlichkeit,
Die überall vorhanden ist, besingen!
Ach, laß Dir meine Lust, mein ehrerbietigs Lallen,
Da ich Dir anders nichts zum Opfer weiß zu bringen,
Ja mein Erstaunen, Dir gefallen!