Bey abermahligem durch des Allerhöchsten Gnade erlebten und begangenen erfrewlic...

By Simon Dach

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Tag für allen außerkohren,

Weil der Völcker Licht an dir,

Unser Churfürst, ist gebohren,

Komm, brich an mit güldner Zier,

Thu' es auch der Sonnen Pracht

Weit zuvor mit schöner Tracht.

Laß dich selbst den Himmel mahlen

Mit den Farben, die er weiß,

Und die stracks die ersten Stralen

Wurffen auff den Erden-Kreiß,

Als Natura jung und zart

Allererst gewindelt ward.

Laß die Erde sich verneuen,

Tragt ihr Wiesen süssen Klee,

Und es müsse Blumen schneyen

Für die Schlossen und den Schnee,

Giesst Spre, Elbe, Pregel, Rein

Von euch Öle, Milch und Wein!

Unser Quell der guten Zeiten

Und ohn den vieleicht das Schwerd

Möcht' erbärmlich uns bestreiten,

Ist uns diesen Tag gewehrt,

Damals ward uns dieses Heil,

So uns krönt, durch Ihn zu Theil.

Damals ist er uns gegeben,

Der nechst Gott uns noch erhält,

Er, das rechte Fürsten-Leben

Und der Spiegel aller Welt,

Welcher Gnade, Witz und Raht

Gantz zu erb' und eigen hat.

Gott und aller Unschuld Güte

Sind ihm Leben, Seel und Muth,

Hievon wallt ihm das Geblüte,

Darumb, was er sinnt und thut

Wird untadelhafft geschawt

Und auff Urtheil bloß gebawt.

Sein Gesetz ist sich anstrengen

In der Arbeit früh' und spat,

Nichts der eiteln Lust verhengen

Ohn gewissen Zweck und Rath

Und in allem seyn gewand

Auff die Völcker und sein Land

Und sich ihrer Noht anmassen,

Wenn ein Wetter sich empört.

Keiner wird von ihm verlassen,

Keiner bleibet unerhört,

Denn er ist der Unschuld Danck

Und der Boßheit Untergang.

Dieses grossen Gutes wegen

Komm, brich an, O Tagelicht,

Gönn der Freude, die wir hegen,

Dein verklärtes Angesicht,

Weil dein angenehmer Schein

Uns sol hoch und heilig seyn.

In den Dörffern, in den Städten

Sol ihn feyren jederman

Nur mit Lob- und Danck-Gebehten,

So die Andacht geben kan,

Was der Kirchen Eiffer thut,

Ist der Preiß für dieses Gut.

Müglich kommen itzt die Stunden,

Daß die Churfürstinn nun fast

Allergnädigst wird entbunden

Ihrer hochgewünschten Last,

Die bißher so manches Jahr

Unsre Furcht und Hoffnung war.

Unser Angst-Geschrey und Flehen

Führ auch diesen NahmensTag,

Daß man diese Wolfahrt sehen

Und sie dir verdancken mag,

Stellet unsre Bitt' in Ruh

Dieser Monat oder du.

Gott, laß uns nicht immer heulen,

Komm', erfrew was du betrübst,

Weil nur du, sonst niemand Seulen

Hohen Fürsten-Häusern giebst,

Und allein auff dein Gebot

Kömmt das Leben und der Tod.

Komm, still deines Volcks Verlangen,

Laß die grosse Mutter bald

Ihres Hertzens Pfand umbfangen

Nicht ohn Lieb' und Frewden! halt!

Ist der Völcker Trost nicht da

Und ich bin erhöret? ja!

Sey gegrüsst, du Zweig der Helden!

Das Gerücht müss' ungeseumt

Ost' und Westen dich vermelden.

Welcher jemals hat geträumt

Auff dem weisen Helicon,

Der erheb' jetzt seinen Thon,

Singe des Gestirns Belieben,

Welches dich der Welt geschenckt,

Was für Satzung dir geschrieben,

So die Parcen auffgehenckt

Hoch in dem Geheimnis-Sal,

Ihre Schrifft ist Gold und Stal.

Lasst die Brunnen reicher fliessen,

Was der Rein und Necker trägt,

Müss' auß ihnen sich ergiessen,

Unsre Ruh wird nun gehegt

Und fällt tausent-strömig auß

In die Kirche, Stad und Hauß.

Leb', O Kind, des Himmels Gabe!

Dieses grosse Welt-Gebäw

Neige sich zu seinem Grabe,

Eh' als du nimmst unser Rew,

Und vermehrst der Götter Raht,

Der dich uns geliehen hat!