Bey Absterben Hn. D. J. A. Jüngsten Jungf. Tochter den 26. Novembr. 1673.

By Heinrich Mühlpfort

Was kan Bochwürdiger ich seinen Ohren singen?

Kein ängstlich Jammer-Lied tilgt bittre Schmer-

Jhm Brunnquell alles Trosts Trost-Worte wollen

Heist Fackeln tragen ein in Titans güldnes Haus.

Die Brunnen Jsraels wo frisches Wasser quillet

Woraus der Silber-Thau der Seeligkeit entspringt

Die haben seinen

Daß auch kein Aesculap ein besser Pflaster bringt.

Alleine weil wir nur was Menschlich müssen leiden

Und unßrer Sterbligkeit Empfindnuß schuldig seyn

So glaub ich daß kein Schmertz kan mehr ins Hertze schneiden

Als wenn wir Fleisch und Blut die Augen drücken ein.

Zwar ein Präxaspes schaut des Kindes Hertz aufschlitzen

Wenn des Cambyses Pfeil sein blutig Lust-Spiel treibt.

Harpag kan unbewegt ans Persen Tafel sitzen

Und essen seinen Sohn der neulich nur entleibt

Hingegen wer ein Christ und weiß daß Kinder Gaben

Auß grosser Gnaden-Hand der Höchsten Majestät

Daß sie ein Vorrecht auch ans Himmels Erbtheil haben

Von dem wird solcher Sinn und steinern Hertz verschmäht.

Eh’ wird der Sonnen-Glantz mit tieffer Nacht sich decken

Die Erde schiffbar seyn die Wellen angebaut

Eh’ wir die Regungen in unser Brust verstecken

Und man die Seinigen mit trucknen Augen schaut.

Bevorab wenn der Tod ist bey uns eingestiegen

Und eh’ ein Jahr verstreicht sich zweymal grimmig weist;

Wenn man jetzt einen Sohn sieht auf der Bahre liegen

Und drauf der Eltern Lust die Tochter ohne Geist.

Denn schallts: die Trauben sind vom Weinstock abgerissen

Des Oelbaums fruchtbar Stamm wirfft seine Blüthen ab.

Die Rosen müssen sich in erster Knospeschliessen

Die Nelcken schönster Zucht verfallen in das Grab

Denn bricht uns unser Hertz denn ist der Geist zerknicket.

Wiewol des Höchsten Mund hinwieder Trost ausgiebt

Daß die Verstorbenen sind vieler Qual entrücket

Daß seine Allmacht mehr als Eltern sie geliebt.

Drumb hat er fort geeilt im Morgen erster Jahre

Als sich des Lebens-Tag mit güldnen Blicken wieß

Drumb legt’ er sie noch jung voll Unschuld auff die Bahre

Eh’ als sie angesteckt der Läster-Gifft und Drüß.

Jeschneller wir den Fuß aus diesem Welt-Kreiß setzen

Je grösser der Gewinn je seliger der Tod:

Gott holt die Frommen heim daß sie nicht kan verletzen

Gottloser Menschen Tück und angedräute Noth.

Zu dem lehrt jeder Tag und zeigt es jede Stunde

Mit was vor Elend nicht das Leben überlegt

Wie mit der grossen Welt die Kleine geht zu Grunde

Und Unglück auff uns zu aus jeden Orten schlägt.

Es tret’ jetzt Adam auff sambt allen seinen Söhnen:

Sie sagen; was sie hier genossen auff der Welt.

Ob ihre Freuden nicht die Schmertzen müssen krönen?

Ob ihrem Frieden nicht sich Zanck hat zugesellt?

Ob ihre Päßligkeit nie wanckelbar gewesen?

Ob ihren Uberfluß der Mangel nie genagt?

Ob sie vor Manna nie die Disteln auffgelesen?

Und vor verhofften Trost Versuchung sie geplagt?

Ja wem ist nur ein Tag so gar beglückt erschienen

Daß nichts Verdrießliches gekräncket seine Brust?

Das Glücke wird uns nie nach unserm Willen dienen

Es mischt mit Aloe den Zucker bester Lust.

Und wir so viel wir nur von Jahren noch weglegen

So viel nur legen wir von Sünden wieder bey.

Drauff wenn wir gar genau das Leben überwegen

Schleust man: daß besser noch ein zeitlich Sterben sey.

Die Noth so uns jetzt drückt die Sorgen so uns fressen

Der Kummer der den Kern des Geistes gantz verzehrt

Die Aengste so numehr Dorff Städt’ und Länder pressen

Sind diesem unbewust der sanfft von hinnen fährt.

Ich mag

Betrübten Hertzen ist Weitläufftigkeit verhast.

Erblickt sein nasses Aug’ die kurtzen Trauer-Zeilen

Die aus verpflichter Schuld mitleidig abgefast

So ließ er freylich hier der Jenigen Erbleichen

Die vor der Augen-Lust des Hertzens-Wonne war

Die mit Behägligkeit und tausend Liebes-Zeichen

Nicht einmahl sein Gemüth gemacht von Sorgen klar.

Das zarte Jungfern-Bild die selige

Lockt Vat’- und Mutter-Hertz warhaffte Thränen aus.

Sie sehn die Blum’ verwelckt den Stengel nicht mehr grüne

So vor mit süsser Huld erfüllt das gantze Hauß.

Es schweigt der liebe Mund so vielmal GOtt gepriesen

Umb mit den Engeln dort ein Lied zu stimmen an:

Gehorsam welchen sie den Eltern hier erwiesen

Bereitet ihr den Weg zu der gestirnten Bahn.

Jhr herrlicher Geruch von schönen Tugend-Gaben

Sticht aus Jeßminen-Oel und Zimmet-Tropffen weg

Sie darff nicht einen Krantz von irrdschen Blumen haben

Die Kron der Ewigkeit ist ihrer Zierde Zweck.

Ob schon der Wangen Ros’ und Purpur muß erblassen

Des Mundes Nelckerbleicht der Glieder Lilg erstirbt

So wird in jenem Licht sie solcher Glantz umbfassen

Vor dem die Sonn vergeht der Edelstein verdirbt.

Sie hat ihr Glaubens-Oel in reinen Andachts-Flammen

Mit jener Jungfer-Schaar dem Bräutigam geweyht

Und Tag und Nacht gehofft biß er sie rufft zusammen

Und in des Himmels-Zelt vermählt in Ewigkeit.

Dem Braut-Krantz den sie trägt weicht auch der Sternen Krone

Und Ariadne neigt ihr hell-bestraltes Haupt

Die Freundin stehet nun für ihres Lammes Throne

Geneust was sie gehofft erkennt was sie geglaubt.

Es muß

Und der ergoßne Strom der Thränen etwas stehn.

Erfahren wir doch hier auff diesem Erden-Ballen

Daß Blumen schönster Art am ersten untergehn.

Es heist und bleibt die Welt des Dracul

Wo nur Geripp! und Aaß die Bäth’ als Zäun umbziehn

Die

Daß sie im Paradiß sol unverweßlich blühn.