Bey Beerdigung eines jungen Söhnleins E. E. v. G. den 28. Novembr. 1680.
Auß werthster Freund sein Paradieß der Erden?
So unverhofft ein Kirchhof seyn?
Ist denn die Wieg’ ein Leichenstein?
Und seh ich jetzt die Augen Muscheln werden
Wo die Natur die Perlen nicht gebiehrt
Indem sie nichts als runde Thränen führt?
Ja freylich Ach! ein Gärtner steht bestürtzet
Wenn er die Hoffnung seiner Zeit
Der Blumen Schmuck und Lieblichkeit
Siht durch den Sturm des Nordens abgekürtzet;
Wenn er die Müh und seiner Arbeit Fleiß
Schaut ausgetilgt durch Regen Schnee und Eiß.
Und wird uns nicht der herbe Blick betrüben
Wenn vor des Lentzens güldne Zier
Da Hyacinthen sprossen für
Nichts weiter sind als blasse Rauten blieben?
Der Lilgen Haupt der Rosen Scharlach bricht
Die Nelcke stirbt wenn Wermuth sie umflicht.
Nicht anders ists hochwerther Freund bestellet
Sein Weinstock da er zinßbahr blüht
Von dem er eine Traube sieht
Die seinem Aug und Hertzen wolgefället
Nun er die Blum erfreut in Armen trägt
In die sein Bild und Aehnlichkeit geprägt;
So kömmt der Tod O grimmiges Geschicke!
Und reisst des Hauses Pfeiler ein
Des wahren Adels edlen Stein
Der Ahnen Bild der Tugend Meister-Stücke
Der Cedern Baum wird ihm zur Aloe
Die erste Blüth’ verwandelt sich in Schnee.
Allein’ ich weiß: die Schmertzen können zwingen
Zeigt einen rechten Helden-Muth;
So steht ein unerschrocknes Blut
Getrost im Sturm läst Pfeil auf Pfeile dringen.
Und weiß gewiß daß nach dem Donnerschlag
Der Sonnen Licht gewährt den schönsten Tag.
Der liebste Sohn ist zu dem Ursprung kommen
Sein Stamm-Hauß ist die Ewigkeit.
Nur bloß der Seelen irdisch Kleid
Hat in Beschluß der Erden Schos genommen.
Ein Erdmann wird nicht eh ein Himmels-Mann
Biß er die Last des Leibes weggethan.
Denn kan der Tohn mit seinem Töpffer zancken?
Die Hand so ihn zu erst gemacht
Und ihm die Formen zugedacht
Weicht nicht von Recht und ihren Meister-Schrancken.
Jtzt bildet sie bald schlägt sie wieder ein
Und weist uns klar daß wir nun Scherben seyn.
Doch tragen wir in irdenen Gefässen
Den Schatz der grossen Herrlichkeit;
Das Kleinod der Vollkommenheit:
Daß ob wir schon bey Mogols Renten sässen
Und Indien sein Gold uns liefert ein
Der Seelen nach gar weit Stein-reicher seyn.
Ein rother Kloß von schlechtem Sand und Staube
Stellt’ uns den ersten Erdmann für
Der Welt-Geschöpffe höchste Zier
Indem noch ist versigelt unser Glaube;
Doch hat der Tod den An-Herrn’ dieser Welt
So als wie uns gebrechliche gefällt.
Wiewol ich weiß sein treffliches Gemüthe
Und kluger Geist fällt mir zwar bey
Mein Freund er weiß daß ewig sey
Des grossen GOttes Wunder-reiche Güte.
Was aber heilt der Frau Groß-Mutter Leyd?
Was stillet der Frau Mutter Traurigkeit?
Das zarte Kind so sie offt angelachet
Der Mund so halbe Wort ausstieß
Mit Fingern nach den Eltern wieß
Und tausend Lust behäglich hat gemachet
Die Anmuth selbst das War der zarten Jahr
Zerschmeltzet nur auff einer Todten-Bahr.
Hilff GOtt! was gab der Knabe nicht vor Minen?
Der Ahnen Helm Spieß Schild und Schwerdt
Und was sonst ihren Ruhm bewehrt
Sah man in ihm als wie von neuem grünen.
Ein Adler weist bald seines gleichen Art
Ein junger Löw hat nie die Klau gespart.
Diß klagt mein Freund samt hohen Anverwandten
Sey alles in den Sarg gethan.
Nein Erdmann ist ein Rittersmann
Die Diener sind die himmlischen Trabanten.
Der Ewigkeit Schnee-weisses Feld-Panier
Ist jetzt sein Schmuck und auserleßne Zier.
Sein Erdmann steht im höchsten Ritter-Orden
Er ist es bey dem heil’gen Grab
Er bricht der Tauben Oel-Zweig ab
Sein Band ist roth von JEsus Blute worden!
Hochwerther Freund das stille seine Pein
Daß Christen schon als Kinder Ritter seyn.